Montag, 9. März 2020

Das Gebiss des Landeshauptmannes, furzende Hochleistungskühe und der Schnee der Trunksucht. Nachlese zur Spritzwein-Lesebühne.

Damen und Herren, 

im Jahr der Verantwortung war uns auch ein Abend über verantwortungsvollen Alkoholgebrauch süße Pflicht. Zum einen ist es schon alleine volkswirtschaftlich nicht in Ordnung, sich mittels Leberzirrhose vorzeitig aus dem Arbeitsleben zu schießen. Das ist zu viel an Systemwiderstand! Andererseits regt uns diese zeitgenössische Gesundheitsvergötzung mittlerweile auch ganz schön auf. 


Wie stets oblag es unserem Prof. un-hc. Buttinger, in die spezifische Kulturgeschichte unseres Themas einzuführen, wir haben ja auch einen Bildungsauftrag. Buttinger stimmte sogleich das Publikum darauf ein, dass uns der Wein alle überleben werde und forderte eine Schweigeminute in unser aller eigenem Interesse. Klug sein Ratschlag, grade so viel zu trinken, dass das Verlassen der eigenen Wohnung nicht mehr möglich ist und man draußen keinen Schaden anrichten kann. Sodann sang er in einer Umdichtung von "Corona, Corona" über die irre Sehnsucht der Boulevardmedien nach dem ersten CoVid-Fall. Schließlich warnte er vor dem Klimagift Kohlensäure, das man bei übermäßigem Genuss ausfurze wie eine Hochleistungskuh.


 

Ing. René Monet ersann für seine "Legende vom gesunden Trinker" die Figur des Josef Rotschädl, dem es dank zahlreicher Vitaminpräparate gelang, bei bester Gesundheit trinkend seinen Tod zu finden. Als Liedgut wählte er das alte Traditional "Sauf aus!", das gleichfalls die Trunksucht thematisierte. Abschließend verlas er weitere Folgen aus der beliebten Serie "Die Original Linzer Worte im Austausch mit der Welt"; dieses Mal Leserbriefe an das Ensemble. Unglaublich, mit was für Leuten wir uns herumschlagen müssen! Aber so sind wir.


Unser lieber Gast Wolfgang Kühn vergaß nicht, uns zu informieren, dass seine Heimat Langenlois die größte Weinstadt Mitteleuropas sei. Respekt! Selber predigte er Spritzwein und trank alkoholfreies Bier, da dieser tüchtige Mann während der Schaltjahre keinen Tropfen Alkohol anrührt. Daher rührte wohl die mütterliche Liebe, die er unserem Thema entgegenbrachte. Haben Sie gewusst, dass der gelernte österreichische Trinker für seine Leidenschaft mehr Begriffe besitzt als der Inuit für Schnee?!


Die Präsidentin Meindl widmete sich am Vorabend des Weltfrauentages der Maßhaltung und Askese. So las sie einen Text über das traurige Faktum, dass Fresskunst aus der Mode gerät, weil alle nur noch Diätgouda auf ihre Reiswaffeln legen. Früher habe ein wahrer Artist einen lebendigen Panther mit Haut und Haar fressen können. Im zweiten Text ergoss sich ihr Hass auf den Innenminister; da dieser "Wiener Billig-Chuck-Norris" der verhetzten Bevölkerung weismachen wolle, er könne das Coronavirus zwischen den eigenen Kiefern totmalmen; sie fäulte auch sehr über einen Bundeskanzler, der die Menschenrechte mit seinen genagelten Deppen-Lackschuhen trete.

Im gemeinsamen Tagebuch berichtete das Ensemble über die Edel-Entgiftung in der Betty-Ford-Klinik in Kalifornien, die natürlich wieder total in die Hose gegangen ist. Währenddessen stellte uns der Sponsor leise sein gülden glänzendes, gottgefälliges Produkt auf den Lesetisch. Da band Wolfgang Kühn seine Mähne los und erschien als strahlender Ritter gleichsam als deus-ex-Maschinenraum. 
 

Unser Publikum bleibt auf alle Fälle unsere beste Ressource. Der einige frei gebliebene Platz in der ersten Reihe erinnerte uns ab dem dritten Schlägl-Bier an die Zahnlücke unseres Altlandeshauptmannes.
Schlägl Kristall - der Spritzwein für die guten Menschen des Nordens! 
Und wir ALLE sehen einander wieder am 24. April, denn da schicken wir euch mit „Fake News“ in den April. Mit Max Zirkowitsch, der ist sehr super. So wie das Strandgut.
 

Mittwoch, 19. Februar 2020

Man bringe den Spritzwein! Über unser Liebstes

Freitag, 6. März 2020, 20 Uhr; Salonschiff Fräulein Florentine (Urfahrpromenade 1, 4040 Linz). Eintritt frei, Austritt (= Tombola-Los): 2 €

Zu Gast ist Wolfgang Kühn

In vino veritas, im Spritzwein die Halbwahrheit. Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen. Aber was sind dann Smoothies, dieser schlechte Kompromiss zwischen Speis N' Trank – die Metapher für die Auflösung des cartesianischen Dualismus? (Hä?) Muss man betrunken sein, um die Welt zu ertragen? Oder haben die Gesundheitsaposteln recht, dass man nimmer gar so viel saufen soll? Der Alkoholkonsum in Österreich sinkt jedenfalls seit Jahren. Und? Ist unser Leben nach dieser Ernüchterung schöner geworden? Ist Antialkoholismus angesichts des Neoliberalismus der richtige Weg?


 
Unser Gast Wolfgang Kühn ist als Autor, Slammer, Herausgeber, Weintrinker und Veranstalter vielleicht befangen, aber so dermaßen ein Experte in Sachen „Lesen“, dass ihr sagt: Jawoi, der ist ein Experte!
Am besten, wir konzentrieren uns auf das Geistige, das ist unsere Kernkompetenz, in Theorie und Praxis. Die Lesebühne eures Vertrauens zeigt euch, ob asketisch-freudlose Abstinenz oder fröhlich-revolutionäre Rauschgenusskompetenz der bessere Weg zur Weltrettung ist. Wir übernehmen Verantwortung für eure geistige und körperliche Gesundheit!

Mit vielen „schönen“ und „wertvollen“ Preisen bei der Tombola des Grauens und gesundheitlichen Saufliedern von der hauseigenen Blutgruppe!

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Die Original Linzer Worte sind die welteinzige Lesebühne mit integriertem Entrümpelungsservice: Tombolaspenden werden jederzeit angenommen!
Weiterführender Infospam:
https://www.facebook.com/Original-Linzer-Worte-112861892081408/

Montag, 27. Januar 2020

Message Control im Beichtstuhl, der Ozean des Selbstbetrugs, Sünden in der Tiroler Wüste und finno-ugristische Erbsünden. Die Nachlese zur Verantwortungs-Lesebühne

So! Nun haben wir das Werkl übernommen. Merkt ihr schon was? Wenn nicht - ideal! Denn dann machen wir unseren Job im Hintergrund gut. Jedenfalls hat die Präsidentin Meindl ihrem Volk die Regierung erklärt und eine Männerquote von 30 Prozent in allen Institutionen und Betrieben (auch der Provatwirtschaft!) vorgeschrieben, denn von ihrer Seite gibt es ein klares Bekenntnis zum Schutz der Minderheiten in Österreich.


Sodann schickte sie Kanzler Kurz zum Beichten ("Wieso lassen Sie mich nicht ausreden, Herr Pfarrer, ich lasse Sie ja auch ausreden!"). Sie begleitete Ing. Monets Gitarrespiel mit ihrem Gesang, einer Nicht-ganz-Liebeserklärung von Vizekanzler Kogler - "Zu song, dass i di lieb hätt, das war' a klaanes bissal üwatriem" (Original: "More than words"). So ist das halt in der Demokratie!



Professor Buttinger lud im Namen der Linzer Worte zum Jahr der Verantwortung und sprach dem Publikum von unserem Plan, der Bevölkerung mittels eines mobilen Beichtstuhls Linderung vom Druck ihrer Sünden zu verschaffen. Zugleich ließ die Präsidentin als erste Maßnahme den "Sündenblock" kreisen, in den bereits an diesem Abend manch schweres Laster bekannt wurde ("Ich arbeite für eine Pharmafirma", "Jetzt trinke ich schon wieder Bier, statt Salat zu essen", "Ich habe noch nie 'Die Sau' gelesen."). Buttinger: Erhebt euch aus der Gemengelage des Selbstbetrugs! 
Seine Neu-Übersetzung der Lyrics von ABBAs "Mamma Mia" ("Kogler & Kurz sorgen für everything, au ja") bereitete den Damen Freude, die Männer-Antlitze waren offensichtlich gequält von der Furcht, die Gattin komme dadurch auf dumme Ideen = "Schauen wir uns wiedereinmal den ABBA-Film miteinander an?!" In seinen aufdeckerischen Leaks enthüllte er die Pläne der Regierung, Kim-Jong-Un Nachhilfe in Message Control anzubieten und Kickls Pferde in Allentsteig auszuwildern. 


Ing. Monet schickte drei menschgewordene Sündenböcke in die Tiroler Wüste, versehen nicht nur mit den Verfehlungen der Dorfgemeinschaft, sondern mit Opfergaben (billige Buttermesser mit Plastikhorngriff aus China). Dann tat er es dem Professor gleich, leakte aber nichts Politisches, sondern verlas öffentliche Reaktionen der Gesellschaft auf das Kunstwollen der Original Linzer Worte. "Hat das Ensemble eigentlich akademische Titel? Wer ist dieser Präsident, ist der schwul? Was soll das überhaupt, das kann meine kleine Schwester besser LOL" und so weiter. Schiach! Im offiziellen Schlusslied besang er hymnisch den Segen der Wurschtigkeit. Immerhin müssen wir ja alle 12 Stunden arbeiten, da können wir uns nicht um die Eisbären auch noch kommen. Wer ist schuld am Klima? Niemand!
 

Wie die Online-Rezensionen der OLW fielen die Reaktionen auf unseren Gast aus: Henrik Szanto. Nur genau umgekehrt, nämlich so hymnisch, dass man fast von "verknallt" sprechen kann, was aber überhaupt nicht objektiv ist, und wir sind ja nur eifersüchtig. Vielleicht waren die Leute ja auch so wunderlich auf den mit norddeutschem Akzent sprechenden deutsch-britischen Doppelstaatsbürger mit Hauptwohnsitz Wien, weil er eine finno-ugrische Promenadenmischung ist, und am Freitag lauter spitze Linguistinnen das Strandgut füllten (zum Bersten, übrigens). Aber wir sind ja selbst verknallt in den Szanto, der in seiner Kindheit kein Pony, sondern eine strenge Nonne geschenkt bekommen hat, die ihm das Prinzip der Erbsünde näher zu bringen versuchte. 
"Du bist in Sünde geboren!"
"Ich bin in Finnland geboren..." 
Szanto berichtete von Existenzängsten in Latein, von der Nicht-Konjugierbarkeit finnischen Liebens und vom Brustschwimmen im Futur 2.  
Hiermit empfehlen wir sämtlichen Lesebühnen und Poetry Slams und LiteraturveranstalterInnen des Universums, den Szanto oft und eifrig zum Vortrag zu laden. 



Bitte auch den Herrn Chevapcici, der uns schließlich das Open Mic mit zwei Songs befüllte: einem beinharten Protestsong zum Thema "Nein, ich will nicht in deiner Whatsapp-Gruppe sein!" und einem Western, für den er die gesangliche Methodenrevolution des "Pfummens" (summen + pfeifen synchron!) präsentierte. Prack! 

Die Tombola des Grauens machte ihrem Namen alle Ehre. Nun sind unsere Keller leer und die euren voll. So ist das im Logistik-Kapitalismus. Seid aber unbesorgt, wir bekommen ganz von alleine Nachschub. 



So war das. Es war eine Pracht! Das Strandgut platzte aus allen Nähten, und beinahe hätten wir den guten Menschen dort das Bier ausgetrunken. 

Am 6. März geht's weiter, da kommt uns Wolfgang Kühn besuchen, um mit uns zum Thema "Man bringe den Spritzwein!" zu simpeln.









Donnerstag, 9. Januar 2020

Sündenböcke und Unschuldslämmer. Wir übernehmen die Verantwortung!

Freitag, 24. Jänner 2020, 20 Uhr; Strandgut (Ottensheimerstraße 25, 4040 Linz). Eintritt frei, Austritt (= Tombola-Los): 2 €
Zu Gast ist Henrik Szanto


Wir, die dienstälteste Lesebühne der Nation, sind bereit, das Volk ans Licht zu führen! 2020 werden wir dem Raubtierkapitalismus, der Klimanot und der Hautalterung Einhalt gebieten. Brücken werden gebaut, Hände gereicht, aber auch Backpfeifen verteilt. Was auch immer geschieht – wir übernehmen die volle Verantwortung! Wir kümmern uns drum!
Vielleicht rupft Professor Buttinger ein paar schwarzen Lämmern den Wolfspelz vom verlogenen Leib. Vielleicht konstruiert Ingenieur Monet eine Maschine, die den schlimmsten Schlingeln ihre Übeltaten hinter die Ohren schreibt. Vielleicht schickt Präsidentin Meindl eine Schafherde ins Tote Gebirge, die dort oben dann mit der Last unserer Sünden fröhlich verwildert.
Fix ist, dass am 24. Jänner unser lieber Gast Henrik Szanto nicht nur Poetry-Slam-Premium-Qualität am Start hat, sondern auch als manngewordener feuchter Traum von Linguistinnen auftritt (er spricht u.a. Finnisch UND Ungarisch)! Multinationales Flair in der Provinz eures Vertrauens!
Weihnachten hat seine Schleusen geöffnet und reichen Segen für die Tombola des Grauens herbeigespült. Und die Blutgruppe wird mit verantwortungsbewusstem Leadgut Liedership beweisen.

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Die Original Linzer Worte sind die welteinzige Lesebühne mit integriertem Entrümpelungsservice: Tombolaspenden werden jederzeit angenommen!
Weiterführender Infospam:
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