Montag, 12. Februar 2024

Unfreiwillig lustige Zerstörung im Gedenken an das Mesozoikum. Von Mäusen, Menschen und Meteoriten

Nachlese zur Erdmittelalter-Lesebühne mit Martin Fritz

Fängt man mit dem Moment an, den ihr vergnügungssüchtigen Mäuse/Barbies am ergötzlichsten gefunden habt, muss es der sein, in dem die praktisch blinde Dinosaurier-Darstellerin Meindl das gesamte Bühnenbild höchst slap sticky umgeschmissen hat. Wahrscheinlich ist der unfreiwillig geleistete Humor doch der bessere - analog zur Welt der Wirtschaft, da arbeiten die meisten eigentlich auch nicht freiwillig. Oben abgelichtet jedenfalls die beschämte Präsidentin, die im Geiste schon die Versicherungsmeldung wegen der zerstörten Infrastruktur im Kultur HOF formuliert: "Schadensfall wegen Meteoriteneinschlag bzw. fallenden Dinosauriers (Sehschlitze im Godzilla-Kopf zu klein)".

Aber fangen wir erdgeschichtlich von vorn an, beim ältesten OLW-Mitglied Professor Buttinger, der sich zwar auch nicht persönlich ans Mesozoikum erinnern kann, aber sehr viel darüber nachgedacht und dabei herausgefunden hat, dass Caprese aus dieser Ära stammt. Und haben Sie gewusst, dass die Dinosaurier schon organisiert waren und aus internationaler Solidarität miteinander ausgestorben sind? Es folgte ihnen das Gesindel der kleinen Säugetiere - man sieht ja heute, was es gebracht hat. Aus literaturwissenschaftlicher Sicht muss man den Klaus unseres Vertrauens auch dafür loben, die meisten gängigen Ausdrucksformen berücksichtigt zu haben, denn nach seinem einführenden Prosa-Essay gab er singend den Beatles die Ehre ("Gestern erst woa nu ollas ka Problem" o.Ä.), bevor er schließlich lyrisch mit uns wurde: "Oh, was gäb' ich drum / lebt ich im Mesozoikum").

Unser lieber Gast Martin Fritz hatte es mit dem Glück des Tüchtigen unbeschadet über das kleine deutsche Eck geschafft (so etwas wie der evolutionäre Flaschenhals des Anthropozäns). Er nutzte seine Anwesenheit nicht nur für einen Lichtbildvortrag über extrem gut gelaunte Dinosaurier und Säugetiere, sondern erläuterte das Phänomen des "Slamwashings", dass also olle Locations mit einem Poetry Slam cool gemacht werden sollen. Konkret im Museum Ferdinandeum, in dem sehr, sehr viele Schwerter zu sehen sein sollen, dazu "kinky torture Bilder von Heiligen". Durchs Museum zu gehen sei wie Scrollen durch das Zeug toter Menschen. 

Der zweite Text war ein emphatisches Plädoyer für Ersatzprodukte und Funktionskleidung, denn "ich wäre ja auch viel lieber nicht ich, wir haben doch Besseres verdient!" Bei Gelegenheit müssen wir ihn um das Rezept für den Kuchen fragen, der frittiert, mit Käse überbacken, in Spaghettiform gebracht paniert etc. wird.

In seinem dritten Text brachte Fritz uns sein Februar-Motto nahe: "Von den Besten lernen!" Ein Fund aus der Grabbelkiste in der Uni-Bibliothek IBK, in dem neun Männer und drei Frauen namens Sabine High Performance Tipps geben, etwa diesen: "Sagen Sie sich als Profi, es ist immer eine gute Zeit zu telefonieren und dann werden Sie genau diese Erfahrung machen!" Wenn Aliens einmal fragen, warum wir unsere Erde ruiniert haben, erklären Sie ihnen, dass es leider nicht anders ging! Und den menschlichen Mäusen, die sich in ihren Höhlen vor der Zukunft fürchten, sagen Sie: Es ist immer eine gute Zeit zu telefonieren." 

Präsidentin Dominika Meindl (heimliche Telefonier-Phobikerin) hatte sich in den vergangenen Wochen recht autobiographisch in unser Erdmittelalter eingefühlt, weswegen sie ihre eigene Midlife Crisis ins Mesozoikum hineinprojizierte. In der guten alten Zeit habe es weder Fieberblasen noch Mentalcoaches gegeben, weder Winkfleisch noch Cancel Culture. "No religion, too! Just a brotherhood of little mice". Im Fernsehen gab es noch keine Familie Putz (wobei man sich bei der nicht sicher sein kann). Vor lauter Nostalgie driftete sie innerlich nach rechts und verwahrloste seelisch. Aber nur kurz, ein kleiner Meteoritenschlag auf den Schädel erhöhte wieder ihr Empathievermögen. Deswegen fügte sie ihrer "Fredermink, die Wandermaus"-Reihe das Kapitel "Im Mäusozoikum" an. Gearbeitet wird dort schon wieder nicht, weswegen sich Karl, die Kanzlermaus schon wieder sehr rantet. Aber "als Fredermink ihre letzte Geschichte erzählt hatte, waren Eiszeit und Patriarchat schon wieder vorbei."

Chefingenieur René Monet versetzte Publikum und Kollegium zuerst in Entsetzen, weil er einen weißen Handschuh trug. Hilfe, hat er etwa eine PANTOMIMENUMMER einstudiert?!?!?? Zum Glück hat er sich nur beim Schneiden eines alten Parmesans den Finger abgeschnitten, und zum Glück ist er - entgegen seiner Ankündigung - nicht live an einer Blutvergiftung gestorben. "Nehmt's immer ein ganz scharfes Messer, dann tut es nicht so weh, wenn man sich schneidet. Es geht halt tiefer rein." Buttinger: "Ganz selten redest du einen Blödsinn. Jetzt zum Beispiel." 

Unser verrückter lieber Ingenieur machte aus seiner Fingernot eine Tugend und verlegte sich musikalisch auf die Gründung des ersten Ansfeldner Heimorgelorchesters. "I glaub, i nimm Polka", sprach er, und sang dazu das anrührende Lied "Studienrichtungen" über die Paläontologiestudentin Elke, die Carbonatmikrofaeces untersuchen muss (also alten Kot). 

Dann las er in der Kategorie "Verschwörungstheorie des Monats" einen einfühlsamen Beitrag über einen Arbeitstag im Leben des Reptilmenschen Karl Nehammer aus Atlantis, dem das Rattensashimi heute nicht schmeckt, weil er nicht im Privatjet nach Moskau reisen darf. 

Besonders heldenhaft war Monets Liedleistung bei der Umdichtung von Elton Johns "Sorry seems to be the Hardest Word" in ein Drama zwischen Nähe und Distanz: Ein Komet verliebt sich in Mutter Erde, aber seine Liebe rottet die Dinosaurier aus. Dazu wünschte Monet sich subtilen Ausdruckstanz, was in die eingangs erwähnte "Katastrophe" zerstörter Bühnenvegetation und technischer Ausstattung mündete. "Das kommt davon, weil wir den Tanz vorher geprobt haben!", findet Meindl.

Im Tagebuch ging es wieder hoch her. Buttinger erfindet einen neuen Raketentreibstoff, löst dabei aber einen Asteroidenregen aus, der just auf Ansfelden zu stürzen und dabei René Monets Dinosaurier-Ei-Legebatterie zu zerschmettern droht. Martin Fritz entspannt sich derweil in der Therme Bad Schallerbach bei Themenaufgüssen. Die Präsidentin ist genervt über den ganzen Trallawatsch.

Die Tombola des Grauens enttäuschte nicht, denn mittlerweile weiß das Publikum, dass es Enttäuschungen zu erwarten hat:

Es ist ja in Wahrheit so wie im Food-Blogging-Sektor: Es geht darum, wie alles angerichtet wird. Hier wird ein Weinkühler mit der Landesflagge der Republik Südafrika vergeben (die Präsidentin hat ihn zu 3% als stillen Protest gegen den Genozid-Vorwurf bei den UN aussortiert, zu 97% deswegen, weil man so einen Weinkühler in einem Proletenhaushalt wie dem ihren eh nie braucht).

Die nächste Lesebühne lauert euch am 29. März, 20 Uhr auf - im Strandgut, heuer zum ersten Mal! Große Vorfreude aufs Heimspiel. Und mindestens so große Vorfreude auf unsere Gästin Anna Lena Obermoser

Fotos: Cordl Meindl (Decker bringt Entschuldigung vom Hausarzt nach)

Dienstag, 23. Januar 2024

Die gute, alte Zeit – wo ist sie nur hin? Das Mesozoikum - Lesebühne am 8. Februar 2024


Donnerstag, 8. Februar, 19:30 Uhr, Kultur HOF (Ludlgasse 16, 4020 Linz). Eintritt frei! Der Austritt kostet 2 € (= 1 Los für die Tombola des Grauens).

In der Mitte unseres Lebens angekommen, frierend in der rush hour des modernen Daseins – wer sehnt sich nicht nach tropischer Wärme und spannenden Tier-Safaris?! Das Mesozoikum, Damen und Herren! Damals gab es noch Dinosaurier in allen Farben und Formen! Heute verbrennen dumme Leute deren traurige, fossile Reste in den Motoren schiacher SUVs, damit sie rechtzeitig zum Charity-Törggelen für René Benko kommen. Im Erdmittelalter war einfach alles besser: keine Nachforderungen des Energieanbieters, kein Hundekot in der Geox-Sohle, kein Graupelregen, (wahrscheinlich) kein Nah-Ost-Konflikt, keine geborstenen Handy-Displays...

Martin Fritz beim Bändigen eines jungen Cardioraptor Mix

Kommt mit in die Vergangenheit! Bundespräsidentin Meindl liest aus ihrem geologischen Heimatroman, Professor Buttinger reimt auf Kreide, Jura & Trias, Chefingenieur Monet präsentiert lecker Rezepte für Dino (sie schmecken alle ein bissi nach Huhn). Zu Gast ist Martin Fritz, eine der erfreulichsten Erscheinungen des heimischen Literaturbetriebs, ein Leistungsträger obendrein: Autor, Poetry Slammer, Literaturwissenschaftler, Mitglied der Innsbrucker Schwesternlesebühne FHK5K und Host der fantastischen Reihe "Postmodern Talking".

Wir freuen uns auf ein weiteres Gastspiel im Kultur Hof! Mit Musik der Blutgruppe („Dinosaur sen.“) und der Tombola des Grauens.

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Bitte einfach mailen, wenn keine Nachrichten mehr erwünscht sind. Die Original Linzer Worte sind die welteinzige Lesebühne mit integriertem Entrümpelungsservice: Tombolaspenden werden gerne angenommen!

Weiterführender Infospam:

https://kultur-hof.reservix.at/tickets-original-linzer-worte-gast-martin-fritz-lesebuehne-in-linz-kultur-hof-am-8-2-2024/e2191276

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Montag, 15. Januar 2024

Fleischwaren-Zirkulation, KI-Faschismus und das Unrecht der ersten Nacht. Die Nachlese zur Diktatur-Bühne

Geschätzte Insassen des Völkerkerkers, Opfer des Systems, maultot gemachte Selberdenker! 

Haha, das war natürlich ein Witz, ihr lest ja ganz anderes Zeug in ganz anderen Ecken des Internets. Alle anderen mögen im Folgenden dargelegt bekommen, was sich am vergangenen Freitag bei der ersten Lesebühne des Jahres zutrug. Die Kurzfassung: Schön war's, trotz Diktatur! Es ist ja nicht alles schlecht an der Tyrannei, findet zumindest Bundespräsidentin von eigenen Gnaden.

Die professionellen Fotos sind (im besten Sinne offensichtlich) nicht von uns, sondern erneut von unserem Herzikratzi und Fleischhackerhundi Dieter Decker. Der Fotokünstler unseres Vertrauens!

Fangen wir doch gleich beim Stargast Jürgen Pettinger an. Wir haben ihn wirklich nicht nur deswegen eingeladen, damit wir alle was von unserer ORF-Haushaltsabgabe haben! Der Pettinger Jürgen ist 1. ein sehr, sehr guter Typ. 2. Hat er ein Buch geschrieben, das unangenehm aktuell ist: "Dorothea" Neff, gefeierte Schauspielerin, hat in der Nazizeit ihre jüdische Partnerin Lilli Wolff vor der Deportation und Ermordung versteckt. Pettinger rekonstruiert die wahre Geschichte dieser queeren Heldin. Dank moderner und meist auch funktionierender Technik lasen er und Dorothea gemeinsam. 

Wenn also beim nächsten Familienessen der mühsame Onkel was von "wir wollen eine Entschädigung fürs Eingesperrtwerden im Lockdown" greint, nimmt man ihn liebevoll in die Arme und lässt erst wieder los, wenn er "Dorothea" fertig gelesen hat.

Und was ist dem Experten für Expertise, Professor Buttinger, zum Thema eingefallen? Zum einen weiß er seit Anbeginn der Zeit alles über menschliches Herrschaftsstreben. Zum anderen kann er schöne Lieder singen, weil er zwischen den Jahren "The Big Lebowski" angeschaut hat und nachschaut, in welcher Verfassung die Verfassung ist: "Und sog ma, wo Faschismus im Faschismus beginnt!" Schließlich rollte er uns alle mit einem getragen verfassten, aber bewusst schludrig intonierten Gedicht zum Thema "Feinde der Demokratie". Die KI war's, das Gfrast!

Chefingenieur René Monet ist stets damit betraut, die Gewerke und Gefüge der menschlichen Realität zu beforschen. Deswegen schickte er Herrn Karlicek zum Fleischhauer, wo er seinem Freund erklärt, woraus die Knacker und der Leberkas gemacht werden (aus den Resten des jeweils anderen). Außerdem kommt die lästige Wokeness in Wahrheit aus China (Wok!), um den Westen von innen heraus zu zerstören. Na super, danke! Die Diktatur wächst mit der Feinheit der Technik, konkret aus dem Diktaphon heraus. Für seinen eigenen musikalischen Beitrag warf Monet Hitlers Liebeserklärung an das deutsche Volk, den kehligen Heimatzugang Andreas Gabaliers und Ed Sheerans unschuldiges "Perfect" in einen Mixer und sang den volksliedgewordenen Smoothie "Mei Voooooohohohiohoik!"

Gesanglich griff er auch Bundespräsidentin Dominika Meindl unter die starken, räderaufhaltenden Arme, weswegen die armen Menschen im Publikum mit dem scheußlichen Ohrwurm "Go tell it on the mountain: Wir werden unterdrückt!" heimgehen konnten (ein Lied darüber, dass man heute kein Medium mehr aufschlagen, einschalten, aufblättern kann, in dem nicht sofort 24/7 ein weißer Mann darüber klagt, dass man heute gar nichts mehr sagen darf, over the hills and everywhere!). Zwischen den Jahren hat Meindl so wie der Herr Nationalratsabgeordnete Kollross das Machwerk "Braveheart" angeschaut, auch sie war dabei nicht nüchtern, aber ihre Version klang dann doch etwas anders als das altherrengeile Fantasieren über das ius primae noctis. In ihrem zweiten Text entdeckt das normal denkende Pensionistenpaar Hubert und Hilde die Hohlwelt, in der auch Kanzler Nehammer herrscht, aber alles ist gut dort (jede Nacht Shopping-Night, kein Gendern!).


Im Tagebuch sollte das Matriarchat global gerollouted werden, was wegen der Genussmittelzugewandtheit des Professors und des verrückten Erfindungsdrangs des Chefingenieurs wieder einmal zu internationalem Wickel führte, dazu speziesübergreifende Fisimatenten und große Explosionen. So will es die Tradition des Lesebühnentagebuchs!

Das DH5 hat sich ein weiteres Mal als Nest für Menschen mit Geschmack und Haltung erwiesen. Das vom Chefdesigner Monet kreierte Plakat wurde so groß affichiert, dass wir zu Beginn ein wenig in Sorge waren, die falsche Zielgruppe in große Enttäuschung zu stürzen, denn "de Kotz schaut aus wie von Paw Patrol!" Es waren aber ausschließlich die richtigen Menschen da. 

Und das ist aktuell der schönste Klospruch Oberösterreichs (mindestens): 

Die nächste Lesebühne, ihr ungeduldigen Kätzchen und Spätzchen, kommt schon bald daher, konkret am 8. Februar! Und sie wird mindestens so schön wie diese hier, denn unser Schatzi Martin Fritz kommt extra aus Tirol angerast und gastiert mit uns gemeinsam im geschätzten Kultur Hof in der - hihi - Ludlgasse. Thema: "Die gute, alte Zeit, wo ist sie nur hin? Das Mesozoikum". 

Da schaut's bitte gern her: https://kultur-hof.reservix.at/tickets-original-linzer-worte-gast-martin-fritz-lesebuehne-in-linz-kultur-hof-am-8-2-2024/e2191276

Freitag, 29. Dezember 2023

Hilfe, Diktatur: Man darf heutzutage gar nichts mehr sagen!


Freitag, 12. Jänner, 20 Uhr, Kulturverein DH5 (Damen- & Herrenstraße 5, 4020 Linz). Eintritt frei! Der Austritt kostet 2 € (= 1 Los für die Tombola des Grauens).

Na bumm, das neue Lesebühnenjahr fängt ja gleich wieder arg an. Diktatur! Zensur! Ein ORF-Star als Gast! Aber so sind wir, immer die Finger am Zahn der Zeit, immer mit den Zähnchen an den fütternden Fingern.

Was darf mein eigentlich noch sagen? Ist es politisch unkorrekt, Bundespräsidentin Meindl als „Tyrannin“ zu bezeichnen, nur weil sie autokratisch regiert? Kann man Prof. Buttinger als Präsident der Akademie der Wissenschaften einfach so canceln, nur weil er seine Doktor-Urkunde grad nicht findet? Ist es zulässig, Chefingenieur René Monet als Nerd zu verunglimpfen, nur weil er im Zuge der Lesebühnentätigkeit zwei-, dreimal beinahe Linz in die Luft gesprengt hätte? 

 Foto: Manfred Weiss

Wer uns das gewiss korrekt beantworten kann, ist unser Gast Jürgen Pettinger. Der Autor und ORF-Redakteur zeigt uns sein neues, wieder sehr gelungenes Buch namens „Dorothea. Queere Heldin unterm Hakenkreuz“. Und er hilft uns, die richtigen Worte für alle jene Wattehirndis zu finden, die „Hilfe, Diktatur!“ greinen, wenn sie in einer Pandemie nicht auf den Urfix können, das N-Wort nicht mehr verwenden dürfen und sich täglich(!) zweimal(!!) die Zähne putzen sollen.

Wir freuen uns wieder beträchtlich auf das Gastspiel im Kulturverein DH5! Mit diktatorischen Klangstücken der Blutgruppe („Das ist der Rhythmus, wo man mitmuss“) und einer weihnachtsprall gefüllten Tombola des Grauens


Die Original Linzer Worte sind die welteinzige Lesebühne mit integriertem Entrümpelungsservice: Tombolaspenden werden gerne angenommen!

Weiterführender Infospam:

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Montag, 27. November 2023

Spaltende Radiohunde, gänserne Melancholie, bärige Liebeskummerhilfe, nackte Schnecken und lügende Orakeltiere: Die Tier-Nachlese im November

Foto-Graf: Dieter Decker. Lob, Lob sei ihm! 

Liebe Damen, Herren und Bestien! 

Am Freitag trat das Offensichtliche zutage: ALLE unsere Texte handeln IMMER von Tieren. Schon alleine, weil der Mensch ja auch ein Tier ist (eigentlich das ärgste Biest von allen). Arger Zufall auch, dass just am 24.11. verkündet ward, dass der extrem polarisierende Radiohund Rudi in die Tierpension geschickt wird. Er hat das Land ärger gespalten als Corona, Ausländerhass, Koriander und terrestrische Plattentektonik.

Zum Glück besorgte Professor Buttinger wie immer die beruhigende Einführung und Einordnung. Er weiß alles über das Tier Mensch und vermenschlichte Tiere. Dank seiner wissenschaftlichen Zusammenfassungen kriegt man bekanntlich bei jeder Lesebühne einen ECTS-Punkt, sodass die allertreuesten Kundinnen mittlerweile emeritierte Expertinnen für advanced everything sein könnten. Es hat sich nur noch nie jemand ein Zertifikat abgeholt! 

Buttinger zog weiters die menschliche Gesamtbevölkerung vor Gericht, dem er selbst als Richter vorsaß. Chefanklägerin Dr. Mink plädierte auf u.a. Genozid. Die Verteidigung (Anwalt Monet) berief sich auf die humanen Hilfeleistungen an der Fauna und allgemeines Unwissen. Das Urteil: Allgemeiner Veganismus für Mensch und Haustier. "Außerdem kriegen alle Menschen, die künftig weiterhin deppert zu Tieren sind, den Arsch versohlt." 

Stark rührte der Professor an aller Herzen, als der dem Martinigansl ein tragödisches Lied dichtete: "Melancholie im November, das ist alles, was blieb von dir!" + Gefieder im Mist und eine ruinierte Verdauung.

Gast Wolfgang Pollanz (dessen Namen wir auf 13 verschiedene Weisen aussprachen) verlor zwar das Match der Einladungen zur Barbara-Karlich-Show 1:3 gegen die Präsidentin, gewann aber die Liebe des Publikums. Seiner jüngsten Anthologie "Zum Fressen gern" verdankte sich ja das Thema der Lesebühne. In seinem ebendort veröffentlichten Text erzählt er "Von Katzenklavieren, Faultieren und anderen musikalischen Viechern". Womit wir wieder bei der Anklagewürdigkeit des Menschen wären... Zum Glück wurde nie ein Katzenklavier gebaut. Kauft das Buch und leset selbst! (Es ist auch ein Text der Präsidentin drin, "und zwar der schönste, den ich jemals geschrieben habe"). Kauft auch "Im Zauberwald", wo Pollanz "33 Geschichten nach Songs" erzählt - mit "Snowblind" nahm er uns ins romantische, aber unwirtliche Neufundland mit. Ein Bär wird angeschafft, der die Lieblosigkeit der Welt auffrisst. Schön! Arg!

Chefingenieur René Monet leistete wieder sehr Großes an Gitarre und Tastatur. Nicht nur begleitete er Buttinger und Meindl bei ihren Klangstücken (bei Letzterer mit besonderer pädagogischer Mühewaltung), sondern senkte uns allen wieder einen Ohrwurm in den Schädel - ein Lied aus dem Tierwärtermilieu: "I mog die Diere, bis hoiwa Viere, daun geh i ham!"

Als Beauftragter für fiktionale Publikumsanfragen verlas Monet drei Anliegen, etwa ob man eine Nacktschnecke nur ins FKK-Gelände mitnehmen dürfe und irgendwas mit rolligen Katzerl. 


Bundespräsidentin Meindl outete sich als große Freundin der Spezies "Mann", die bei konsequenter und liebevoller Erziehung nicht sehr viel Freude brächten, sondern unter Hypnose durchaus als Orakeltier dienen können, analog zum "Klugen Hans". Buttinger log übrigens auch in Trance wie gedruckt (er nennt es "Fiktion). Dann erklärte sie dem geduldigen Publikum, warum sie immer beklopptere Namen für ihren Hund Fini - Fimbsi - Sfinx - Fino-Ugristika entwickelt (posthochdeutsche Lautverschiebung). Am Ende brachte sie Bob Dylans "Like a Living Stone" zur Aufführung, denn der Mensch ist nicht Herr im Haus, weil so viele Bakterien, Viren und Parasiten in ihm hausen, ohne Miete zu zahlen. Für das Mundharmonikaspiel hat übrigens auch der Dylan seinen Nobelpreis nicht bekommen.

Im Tagebuch ging es dieses Mal mit sämtlichen American Staffordshire Terrierern des Bezirks Linz-Land in den Gaza-Streifen, wo ein nicht ganz gewaltfreier Frieden geschaffen wurde (gebissen haben die Tiere aber nur die Richtigen bzw. jeden einzelnen mit einer Waffe in der Hand). Seither ist Ruh'. Ein Hoch auf die Kraft der Literatur!

Das Ärgste ist nicht die Tombola des Grauens - obwohl sie bitte ausschließlich zum Thema passte! Wir haben offensichtlich nur Sachen mit Tieren drauf in unseren unerschöpflich vollgemüllten Heimstätten. Nein, das Ärgste im positiven Sinn ist schon unser Publikum: Etliche von euch waren bitte bei jeder einzelnen unserer zehn Lesebühnen heuer!

Unser Winterschlaf währt nun nicht sehr lange, schon am 12. Jänner kommt ihr uns bitte um eurer selbst willen wieder! Zu Gast ist der Autor und ORF-Redakteur Jürgen Pettinger, der sein sehr gutes zweites Buch präsentiert: "Dorothea. Queere Heldin unterm Hakenkreuz". Wir spielen im DH5. Große Vorfreude! 

Überhaupt wird unser Programm 2024 over the top super, mehr dazu recht bald einmal! (Wir müssen zuerst ein wenig runterkrachen, weil uns die Superkeit stark aufganserlt).


Dienstag, 14. November 2023

24. November: Was gibt’s Neues im Tierreich? Unsere Freunde im Anthropozän


Freitag, 24. November, 20 Uhr, Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße 25, 4040 Linz).

Eintritt frei! Der Austritt kostet 2 € (= 1 Los für die Tombola des Grauens)

Gast: Wolfgang Pollanz (Wies)

Mit absoluter Gewissheit gibt es in Mitteleuropa keine tiernärrischere Lesebühne als uns! Freilich in feinen Abstufungen: Präsidentin Meindl ist die legitime Reinkarnation von Edith Klinger. Professor Buttinger ambivaliert zwischen Eros (Hund) und Thanatos (Fisch). Chefingenieur Monet bevorzugt essbare Spezies, streichelt aber den einzigen offiziellen Lesebühnenhund Mitteleuropas, wenn Meindl herschaut.

Den schmalen Grat zwischen Mensch und Tier meistert aber keiner so souverän wie unser südsteirischer Supergast Wolfgang Pollanz. Der Autor, Label-Chef und Herausgeber spricht zu uns über das schreckliche Katzenklavier, den Gesang der Faultiere und Walrösser der Popkultur. Nehmt euch ein paar Kröten mit, um ihm seine neue Anthologie „Zum Fressen gern“ abzukaufen – nicht nur, weil die Meindl darin den schönsten Text ihres Lebens veröffentlicht hat.

Erhebet die Herzen und kommt ins StrandGut Aiderbichl, treue Tieraugen warten auf euch! Dazu gibt’s animalische Klänge von der Blutgruppe, Weihnachtsgeschenksideen bei der Tombola des Grauens und schaurige Séancen mit verstorbenen Pferden.

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Bitte einfach mailen, wenn keine Nachrichten mehr erwünscht sind. Die Original Linzer Worte sind die welteinzige Lesebühne mit integriertem Entrümpelungsservice: Tombolaspenden werden gerne angenommen!

Weiterführender Infospam auf https://www.facebook.com/Original-Linzer-Worte-112861892081408/

www.kuerbis.at/edition-kuerbis 

Mittwoch, 25. Oktober 2023

Teure Zahnlücken, Auto-Ärsche und sehr faule Mäuse. Die Nachlese zur Karriere-Lesebühne

 Fotos: Dieter Decker <3


Bonjour, liebes Loser-Kollegium!

Wollt ihr wissen, wie's bei der Karrierelesebühne war? Ja sicher doch, ihr lest ja immer noch, obwohl euch dieser Text gleich von Beginn an jovial anduzt! Es war wie immer sehr schön. Wir versprechen, auch ehrlich davon zu berichten, wenn's ein Schas war, aber es ist halt bis jetzt noch nie ein Schas gewesen bei uns und im Strandgut. Wer das anders sieht, findet täglich alternative Wasserglaslesungen empfindsamer Instrospekulanten OHNE Tombola und Bier. 

Wo waren wir? Genau, bei der erfolgreich versemmelten Idee, eine erfolglose Lesebühne über berufliche Laufbahnen zu machen. Wenig überraschend hält das Fixensemble nicht allzuviel vom Bravsein im Dienste eines Chefs (weil der Professor und der Chefingenieur aus VERNUNFT und LIEBE die Anweisungen der Präsidentin ausführen). 

Zunächst standen die Zeichen gut für eine Lesebühnen-Karrierenbremse, da der Herr Chefingenieur Monet kurzfristig den Unbillen der Leiblichkeit nachgeben musste. Wir konnten dem Publikum aber weismachen, dass nicht die Gastrointestinale Malaise schuld war, sondern wir den Monet einfach im Sinne des lean managements ins Home-Back-Office outgesourct haben. Der tüchtige Ingenieur hat sich aber von zuhause aus recht unentbehrlichen machen können, da das verbleibende Fixensemble jeweils eine ziemliche Blinse mit moderner Veranstaltungstechnik ist.


Wir hätten schon ahnen können, dass es mit dem Ablosen nichts wird, weil ja Isabella Scholda unsere Gästin war! Und der lässt sich nachsagen, dass sie das Schlechtsein schlecht kann. Gute Frau! Sehr gute Frau! Wir haben sie von Beginn weg in unser Herz inkludiert wie eine Mücke im Bernstein, als sie sich bei sich selbst bewarb. Ihre größte Schwäche: "Ich kann nicht Nein sagen! Ich will euch ja gefallen!" Dabei ist es ihr ein sehnlicher Wunsch, auch einmal kompliziert sein zu dürfen. Etwa im Restaurant etwas zu bestellen, das nicht auf der Karte steht. Auf die Frage, ob es denn geschmeckt habe, kalt "Nein" zu sagen. Oder gar nach der Managerin zu schreien, weil SALZ in der Suppe gewesen war, aber "Salz vertrag' ich nicht!!!" 


Sehr schön auch ihr Sinnieren einer 29(!)-Jährigen, die Einträge in Kinder-Freundschaftsbücher evaluiert. Hätten sich die erfüllt, wohnte sie jetzt mit Ralf in einem "oroschen" Einfamilienhaus mit sieben Kindern drin und wäre Bergfrau von Beruf. 

Im Land, das von einem berühmten Zahnlückenträger regiert wurde, beklagte sie, sehr viel Geld für das Verschwindenlassen einer Zahnlücke, in die einst ein Jolly-Buntstift gepasst hatte, man gebe ein Vermögen für etwas aus, das man nicht sieht. 

Professor Klaus Buttinger schwadronierte in seiner Einführungsvorlesung zum Thema "Karriere", dass das eigentlich Auto-Arsch bedeute bzw. ein sehr schnell galoppierendes Pferd. Natürlich kommt man da an Hitlers Impotenz nicht vorbei, es geht weiter zu den Karrierekrüppeln des modernen Managements und am Ende kriegt der Burgermeister-Kanzler den ersten Schlag mit dem nassen Fetzen ab. Erhellend auch "Karriere mit Lehre": Hätten Sie gewusst, dass Karin Edtstadler gelernte Kältetechnikerin ist und Thomas Stelzer Friedhofsgärtner? 

In Abwandlung von Randy Newmans "I don't like short people" erging ein nasser Fetzenschlag an die Kurz-Männer, bevor er eine Lanze für den Mann unter 1,70 brach - man muss lieb zu ihnen sein, sonst erobern sie Polen. 

In seinem sehr anrührenden Schlusslied sang der Dean Martin von Wels so von der "Scheiß Karriere", dass es klang wie "That's amore!"

Bundespräsidentin Meindl schrieb zuerst ihr eigenes Leben aus und befand dabei, dass das viele Herumliegen und Wandern eigentlich niemandem anderen zuzumuten ist. Dann gab sie mit ihrem neuesten Karriere-Move an, einem Drehbuch-Mischmasch aus "Und ewig singen die Wälder" und "Das Schweigen der Lämmer". Im Hauptbeitrag bedachte sie das Volk mit beschissenen Karrieretipps, etwa: Erben, das Geld arbeiten lassen (ÖVP), von der Mama fördern lassen (Gen Z), Matriarchat und sich selbst als dessen Herrscherin ausrufen (Meindl), in der Heizdecke zum Bewerbungsgespräch (Arbeitsscheue), extremer Existenzialismus: "Ich sehe mich in fünf Jahren weiterhin am absoluten Rand des beobachtbaren Universums und vielleicht sind wir beide dann schon tot." Ein wirklich aufrichtig gemeinter Karrieretipp war schließlich die FrederminkTM-Methode, derzufolge man nicht physisch arbeitet, sondern beim Wandern die Farben des Sommers sammelt, von denen man den anderen Mäusen dann im neoliberalen Winter unseres Missvergnügens erzählt ("Machen wir eine Skitour, Karriere ist eh überschätzt!"). "Du bist und bleibst eine faule Maus!", sagte die Kanzlermaus durch die zusammengebissenen Zähne hindurch. 


So war das! Wir sehen einander (VOLLSTÄNDIG, hörst du, Chefingenieur?!) am 24. November, wenn der gute Wolfgang Pollanz mit uns die Frage beantwortet, was es eigentlich Neues von die Tiere gibt. Wie immer im hochgelobten Strandgut!