Freitag, 2. Dezember 2022

Kluge Tiere, gleißend intelligente Gäste, verseuchte Welten - "Digital Linzer Worte" im Kepler Salon

Am Ende der Roboter-Reihe streichelte eine freundliche Besucherin den Hund der Präsidentin und sagte, die müsse aber gescheit sein, wenn sie überall mitdürfe. "Naja, sie hat nicht alles verstanden", sagte das Tier seufzend und sah ihrer "Herrin" nach, die schon in die Bar zu den Erdnussschälchen gelaufen war, "aber sie hat sich bemüht." 

Wer sich noch besser bemühen will, schöpfe freimütig aus dem Schatz, den uns die vier famosen Gäste geschenkt haben! Sämtliche Abende sind per Stream nachzusehen.

Jörg Piringer testete die Grenzen der technischen Ausstattung des Kepler Salons, aber es hat sich wahrlich ausgezahlt. "Digitale Poesie" ist, wie er selbst sagt, sein Lebenswerk, und man sollte es unbedingt selbst gesehen haben, wie er mit dem Material der Sprache spielt: https://www.jku.at/kepler-salon/ereignisse/events/detail/news/kepler-salon-extra-ist-der-roboter-der-tod-der-literatur/  Dringlich empfehlen wir Piringers neues Buch "Günstige Intelligenz", in dem er die Grenzen des Schreibprogramms GPT-3 austestet. Sehr viel genauer kann man unser Schwerpunktthema der "Digital Linzer Worte" nicht abhandeln.

Ali Nikrang baten wir, über den Computer als Kompositeur zu sprechen. Droht auch hier den Menschen der restlose Ersatz? Wir spoilern: Eher nicht. Nikrang sprach über halluzinierende Kompositionsprogramme, die Fußgetrappel einbauen, weil sie das dem Internet so abgelauscht haben. Sie imitieren Frank Sinatra erstaunlich gut, aber wenn ihnen nichts mehr Neues ein, lassen sie Old Blue Eyes in sinnloser Eskalation schreien. https://www.jku.at/kepler-salon/ereignisse/events/detail/news/der-computer-als-komponist-und-autor/

Martina Mara war erleichtert, in "Wir und die Roboter - Von Liebe und Grusel" nicht allzu viel über die cheesy Aspekte reden zu müssen. Am Tag der Veranstaltung war sie als "Roboter-Psychologin" zum Thema "Robotersex" zitiert worden, aber weil es in einem pickigen Fellner-Medium war, hatte man mit ihr gar nicht gesprochen. Fellners Schreibknechte interpretieren "Medium" offensichtlich spiritistisch (was wiederum zu unserem Untertitel "Der Geist in der Maschine" passte). Deren Text-Arbeit möge demnächst von Bots übernommen werden. https://www.jku.at/kepler-salon/ereignisse/events/detail/news/kepler-salon-extra-wir-und-die-roboter-von-liebe-und-grusel/

"Digitale Pataphysik: Höherer Unsinn mit Algorithmen": Raphaela Edelbauer sprach über ihre Leidenschaft für die Suche nach "Glitches", und sie steckte uns alle damit an, als sie vom großen Infektionsgeschehen berichtete, dass die "World of Warcraft" im Jahr 2005 beinahe vernichtet hätte und später von Epidemolog*innen studiert wurde. Über die KI-Rezensionen, die Chefingenieur GPT-3 über ihren Roman "DAVE" schreiben ließ, musste sie lachen. Gut gemacht, aber ziemlich daneben. Generell ist Edelbauer mit gleißender und mitreißender Intelligenz gesegnet. https://www.jku.at/kepler-salon/ereignisse/events/detail/news/kepler-salon-extra-digitale-pataphysik/

Freitag, 11. November 2022

Das Internet ist für die Katz / Poesie ist der Ersatz


Freitag, 25. November 2022, 20 Uhr, Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße, 4040 Linz). 

Eintritt frei! Der Austritt kostet 2 € (= 1 Tombolalos = 1 Weihnachtsgeschenk für 1 Feind).

Zum Saisonfinale werfen wir noch einmal alle großen Themen in einen Topf: Poesie, Digitalisierung und Cat Content. Ob sich der Heimcomputer in Zukunft so durchsetzen wird wie die Hauskatze? Und dieses Internet, von dem man in letzter Zeit so viel hört – wäre es ohne Mutzis und Minkis überlebensfähig? Wer regiert die Welt? Ist Elon Musk (flämisch für „Muschi“) nur die Marionette seiner beiden Katzen Nicole-Antoinette und Horst-Baptiste? 

Prof. Buttinger klärt sachlich das Pro und Contra „Katze“. Crazy-Cat-First-Lady Präsidentin Meindl lockt mit autobiographischen Tier-Enthüllungen und Chefingenieur Monet kennt die besten Zubereitungs-Algorithmen für Dachhasen. Poesie und Qualität bringt unser lang ersehnter Star-Gast Fabian Navarro ins Spiel. Der hispano-germanische Ex-Sauerländer ist ein funkelndes Juwel am Poetry-Slam-Firmanent, Vater des amtlich genialen Gedichte-Roboters „Eloquentron 3000“ und sieht einfach süß aus (ein cheesy Kompliment, aber so ist es eben im Matriarchat).

Dazu gibt’s passendes Liedgut von der Blutgruppe sowie die Tombola des Grauens samt Glückslosen (jetzt schon an Weihnachtend denken!). Das alles im supernen Strandgut!

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Die Original Linzer Worte sind die welteinzige Lesebühne mit integriertem Entrümpelungsservice: Tombolaspenden werden gerne angenommen!

Weiterführender Infospam: https://www.facebook.com/Original-Linzer-Worte-112861892081408/

Freitag, 4. November 2022

Glück ist: ein Zander, ein Arsch, ein Schwein, Geheimwissen von Lady Diana und ein Kurt-Cobain-Poster in der Garage.

Die Nachlese zum großen Glück am 28. Oktober

 

Und da ist sie schon wieder, eure persönliche Glücks-Nachlese! Keine Ahnung, ob diese Worte jemals auf menschliche Augen treffen, im Idealfall lesen gnädig evaluierende Satrapen-Augen unserer Fördergeber, wie wir uns mit kostbarem Steuergeld gebaren. 

Uns hat's jedenfalls gefallen, was schon auch an den positiv-verfälschenden Bildnissen unseres Top-Fans Dieter Decker liegen mag. Schaut, so schön hatten wir es damals vergangenen Freitag! Und es ist heute schon eine Angeberei sonder Gleichen, wenn man sagt, dass es so viel Publikum ins Strandgut getragen hat, dass sich die Gäste aus Wien ein bisschen vor der Pandemie gefürchtet haben. Wer kriegt in dummen Zeiten wie diesen noch seine Bude voll?! Wir!!!

Professor Buttinger führte wie eh ins Thema ein, und es ist eine jede selbst schuld, die seinen szientifistischen Ausführungen nicht glaubt! (Die Präsidentin tut's, wie hier abgelichtet, nicht und muss daher viele Lücken im Weltgebäude hinnehmen). Glück - das Sibirien der Themen! Schwer und glänzend wie Gold. Scharnier des Empfindens (Genuss vs. Vernunft, Ratio vs. Emotion, Deutsche vs. Polen). In seinem zweiten Beitrag deduzierte er "schlüssig", warum das Glück kein Vogerl, sondern ein Fogosch bzw. Arsch ist. Wegen Kugerln darin ist Schach unlängst in Verruf geraten, die Vermögensunterschiede nehmen in den Industriestaaten zu und es ist generell alles ein steiniger Weg zum Glück. Also versuchte es Buttinger drittens über die Poesie, und reimte das Glück nicht nur auf Osnabrück, sondern final auf Miststück. 

 

Gut, dass wir nicht irgendeine Gästin zwecks Erhebung des Niveaus eingeladen hatten, sondern - Damen und Herren! - die Präsidentin der Präsidentin: Ilse Kilic! Sie ist nicht nur eine Verfasserin von wunderschönen Texten, in denen sie mit offenem Visir erzählt wie keine andere. Sie ist nicht nur Präsidentin der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung. Nein, sie war auch Co-Direktorin des weltersten und -einzigen Glückschweinmuseums! Man schaue nach Möglichkeit bald in das Fröhliche Wohnzimmer

Im Nadelstreif las sie aus ihrem Oeuvre. "Das chinesische Horoskop sagte nur, dass mein Vater ein Schwein war", und das ist ohne Funken Frechheit gesagt, denn "das Schwein torkelt durch ein Nadelöhr ins Paradies." Die Ode an die Happiness as a warm gun geht dann über die Bande der Anrufung der Glückskatze Suzie Traktor. Im "Sich selbst lesenden Buch" schreibt sie über das süße Leben: "Ich hätte das Glück gerne erlebt, wie es sich heiter verschwendet", und dass Schokolade zeigt, dass es sich lohnt, am Leben zu sein. In "Das Wort als schöne Kunst betrachtet" begehren die Romanfiguren gegen schlechte Behandlung auf, sie wollen es auch schön im Leben haben, das sei doch eine berechtigte Forderung an die Kunst! 

Präsidentin Dominika Meindl hatte sich zum Glück auch was überlegt. Und zwar nicht ausschließlich zu ihrem eigenen (aber auch: "Happy Meindl-Wife, happy Volks-Life!). Aber doch hauptsächlich. So rührte sie sich selbst mit dem Absingen ihres Kindheits-Wurlitzer-Hits "La Montanara" zu Tränen. Glück ist ein Edelschmerz, es muss immer auch ein bisschen wehtun. So wie sie nicht in die Berge kann, wenn am Abend Lesebühne ist, aber es zahlt sich dann doch immer aus! Weiters listete sie "Happy Catastrophies" auf, denn die Frau Göttin bewahre uns vor allem, was gerade noch ein Glück ist. Außer es handelt sich zB um das Geheimwissen, dass Lady Diana Spencer das geliebte Kind von Spencer Tracy und Bud Spencer ist. Schließlich schilderte sie den schönsten Tag ihres Lebens - ein Ausflug ins Gut Aiderbichl, wo sie ein Autoquartett-Duell gegen den Teufel um ihre eigene Seele gewann. Da haben wir alle noch einmal Glück gehabt!


Chefingenieur René Monet schließlich bewies, dass die Nazis ein bissl deppert waren und unser globales Glücksempfinden nach wie vor nicht steigern. In "Die erfolglose Wiederbetätigung des Herrn Buchfrau" beschreibt er die nicht übermäßig von Glück gesegnete "Karriere" eines Menschen, der sich am dritten Todestag seines Goldhamsters endgültig radikalisiert. Er scheitert aber schon am Finden eines Pferdes, da ihm der Führerschein schon lange abgenommen worden war. So wird das nichts mit dem Binden von Anhängern! Im zweiten Text schickte er seinen Karlicek (ein Qualtinger der Jetztzeit) in den Zirkus. Da schwebt die Möglichkeit des Misslingens in der Luft, und das taugt ihm. Am liebsten sind ihm die blutrünstigen Flöhe. Dann aber bricht er sich gleichsam beim Birnenpflücken das Knie, und wird ausgelacht. 
Im Abschlusslied verdichtete er einen Weezer-Song zum Liebesgedicht an das Wohnen in einer Garage. Nur dort kann er glücklich sein, unser geliebter Nerd, denn dort darf immer noch ein Kurt-Cobain-Poster an der Wand hängen, ohne dass sich die Gattin beschwert.


In Farbe, um das Grauen deutlich zu machen: die Tombola des Grauens. Rechts der Hauptpreis - eine LP voller exotischer Geräusche ("Büro") Foto: Meindl

Im Tagebuch geht es - natürlich wieder einmal im Drogenrausch - in den "Himalaya", zwecks Eroberung des Glücksmonopolisten Bhutans. Es kommt - natürlich wieder einmal - etwas anders. Im Toten Gebirge werden die drei Glücksritter von Julia Roberts, Batman und Robin aus Bergnot und Tod gerettet und recht umgehend geehelicht. Gratulation an unsere drei alter Egos!


Nun gehabt euch wohl und freut euch gefälligst auf den 25. November, denn da machen wir den 2022er-Sack im Strandgut zu. Aber nicht irgendwie, sondern mit FABIAN NAVARRO!!!!!!!!!!

Dienstag, 18. Oktober 2022

Glück ist, wenn man trotzdem weint

Lesebühne mit Ilse Kilic

Freitag, 28. Oktober 2022, 20 Uhr, Kulturverein Strandgut(Ottensheimer Straße, 4040 Linz). Eintritt frei! Der Austritt kostet 2 € (= 1 Tombolalos).

Das Glück. Wow. Eine Nummer kleiner haben wir's nicht? Nein, denn mittlerweile ist eure dienstälteste Lesebühne der Nation so schön ins mittlere Alter gekommen, dass wir jetzt einmal existenziell mit euch werden können. Außerdem passt der Gefühlskomplex „Glück“ tipptopp zum Jahresthema „Roboterliteratur“. Können Androiden happy, lucky, fortunate oder merry sein? Eben. Das Glück ist im Schöpfungsplan nicht vorgesehen und daher ein Vogerl – und wir haben alle einen. Bereitet euch also bitte mental darauf vor, beglückt zu werden. Nach diesem Abend seid ihr bestimmt glücklich, und sei es nur, weil er wieder vorbei ist.

Zu Gast ist die große Ilse Kilic, große Präsidentin der GAV und damit Präsidentin der Präsidentin Meindl. Prof. Buttinger wird uns die Theorie der Glückspraxis erklären, und Chefingenieur Monet wird uns ein Glück schmieden.

Dazu gibt’s einschlägiges Liedgut von der „Blutgruppe“ sowie die Tombola des Grauens samt Glückslosen. Das alles im supernen Strandgut!

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Die Original Linzer Worte sind die welteinzige Lesebühne mit integriertem Entrümpelungsservice: Tombolaspenden werden gerne angenommen!

Samstag, 24. September 2022

Liebestipps für Serienkiller, unerwünschtes Damenhaar, die Geschlechtsorgane in Bibel und Publikum, sowie: "Wie Luis de Funès das Begräbnis der Queen crashte"


Hier die Nachlese für alle freitags Abwesenden, Faulen, Besserbeschäftigten, germanistisch mit der Verarbeitung des regionalen Literaturgeschehens Befassten, Nachlesefreaks - Fans des fotographischen Kunstwollens des DIETER DECKER! So war das bei der "Kurz und Klein"-Lesebühne vergangenen Freitag:

Professor Buttinger geleitete gewohnt wissenschaftlich und qualitätssichernd in das Thema hinein. Bzw. in das, was er mit "Kurz und Klein" assoziierte, nämlich die Wut. Ist es nicht der Furor, so frug er rhetorisch, der die Kunst vorantreibe, und damit auch die Menschheit? In der Romantik befiel die armen jungen Männer die "Schwerwut", und dann mussten sie dichten, bis die Funken spritzten. Und der gefühlsstarke Professor sprach wohl aus eigener Betroffenheit, dass die Harmoniesucht, der die beiden anderen Drittel des Ensembles verfallen sind, uns in Zeiten wie diesen wohl nicht aus dem Sumpf reißen wird. Leider wahr.

Musikalisch ging Prof. Klaus im Verband mit Randy Newman und René Monet auf die "Zu Kurz Geratenen" los, und die Großschreibung mag verdeutlichen, wen er meinte. 

Sehr schön geriet ihm der Essay über die Schönheit des Sichkurzhaltens. Es entspringe ärgerlichem Narzissmus, lange dahinzuschnattern (ein garstiger Seitenblick auf die Präsidentin). Heutzutage kämen ja sogar schon die Aphorismen zu kurz! Und nichts sei zu klein, um nicht ein Gedicht zu sein. Leider ruinierte Buttinger dann die Zartheit des Augenblicks, indem er das Publikum aufforderte, jetzt nicht auf den je eigenen Penis zu schauen. 


Unsere liebe Gästin trägt auf der Bühne den nom de plume Katrin ohne H. Rein thematisch durfte man wohl auch den Kalauer mit Katrin ohne Haar aussprechen, da sich die Waldviertler Innsbruckerin leitmotivisch mit Körperbehaarung an sozial unerwünschten Stellen auseinandersetzte. Missstände aufzeigen - ja, auch das ist Lesebühne! Katrin hat keinen Damenbart, sondern einen Badass-Bitch-Bart. Und sie verriet uns einen Life-Hack: Bitte, bitte - Beine rasieren VOR dem Duschen! Zumindest im Sommer, den die Delegierte der Schwesternbühne im Westen allem Anschein nach recht hasst. Es ist nämlich so heiß, dass keine Gemütlichkeit aufkommen mag. Schon alleine deswegen wollen wir uns alle noch stärker gegen den Klimawandel einsetzen. Und deswegen soll man auch nicht nach Australien fliegen.

Ein Laster, das man sich abgewöhnen kann, ist das Wohnen. Katrin ist noch nicht so weit, sie will wo sein, und weil sie nicht geerbt hat, muss sie - es folgt ein hässliches Wort: MIETEN. Ihre literarische Auslassung über die Grausamkeit des freien Marktes gingen ans Herz. "Wir vermieten nicht an Menschen!" Und am Männer noch viel weniger, denn die seien nicht so reinlich. 

Was fürs Gemüt hingegen die grammatikalische Ausführung über das Jausnen, ein Lieblings-Verb unserer Gästin: Es funktioniert nämlich mit sämtlichen Präfixen: anjausnen, durchjausnen, vorjausnen, zwischenjausnen, abjausnen und derjausnen. 


Kurznachrichten, die wir nie bekommen wollten, brachte Präsidentin Meindl zu Gehör, etwa jenes vom Notar von Queen Elizabeth, die der Tyrannin Österreichs ausgerechnet das unnötige Australien vererbte. Im zweiten Beitrag versah die durchgeknallte Diktatorin das einfache Volk unter dem Motto "Besitz verplfichtet!" mit Spartipps - also Tipps, die man sich sparen sollte. Sie ging so nahtlos in der ekelhaften Rollenprosa der abgehobenen Erbin auf, dass das Publikum zu murren und knurren begann - am bösesten, als die vorgeblich bekloppte Reiche verriet, den Kachelofen am liebsten mit Zirbenholz zu heizen. Da lag kurz eine Revolte in der Luft. Aber das sei genau die Energie, die es für den Umsturz brauche! Wenn man etwas Patriarchalisches abfackelt, wärmt das auch! So die Despotin des Matriarchats.

Um auch der Literatur noch kurz die Ehre zu geben, verlieh sie ihrem Gefühl Ausdruck, eh nach einer halben Seite schon alles gesagt zu haben. Sie machte eine Not aus der Tugend und kredenzte Textsirup, also völlig eingedampfte Roman-Substrate. Über die Liebe zwischen Bud Spencer und Terence Hill in Linz-Land, aufgeschnittene Industriellen-Vertreter-Bäuche und wie der untote Luis de Funès das Begräbnis der Queen sprengte. Den üblichen Schas halt!


René Monets Darbietungen einte in all ihrer diversen Qualität auch die passende Quantität, nämlich die Kürze. Er verlas Spam aus dem 19. Jahrhundert ("Bitte hochwohlgeboren um die Zusendung von 18.000 Shillingen!") oder unfrisierte Leseranfragen an die Original Linzer Worte: Was muss ich tun, um auch so viel Fördergeld in den Arsch geblasen zu bekommen wie ihr? Antwort: Zieht euch besser an! Oder: Ich bin Serienkiller, und meine neue Freundin auch. Sie ist aber total übergriffig, klopft nie an, wenn sie zu mir ins Bad kommt, und hat neulich eine Leiche neben meine fünf in den Keller gelegt. Ohne zu fragen! Antwort: Kommunikation ist der goldene Pfad. Und warum nicht einmal gemeinsam eine neue Serie anfangen?

Apropos "Rezepte aus der Hölle": Des Monets Ausführungen zur Kochkunst waren eher dem Verlust von körperlichen Problemzonen zuträglich, wie etwa die widerliche Hamburgersuppe, das Erd-Karree oder das eigene Haustier in Dynamit). Alltagspraktischer war da schon seine Synopse der schönsten Stellen aus der Bibel, samt dem Tipp, dass man nicht mitten in das Zeltlager gacken soll, denn das ist dem Herrn ein Gräuel. Und wer nächtlicher Pollution ("Zufall der Nacht") unterliegt, muss einen Tag raus aus dem Camp und sich waschen.

Signend outete er sich als Naziversteher und dichtend als Verfasser von Haikus. Gesundheit!

Extrem hoch war dieses Mal die Rücklaufquote bei der Tombola des Grauens, da das liebe, gute Publikum im Irrglauben war, uns nicht zur Last fallen zu wollen, indem es die "schönen" Preise mit nach Hause nimmt. Dann gewinnt ihr den Schas eben im Oktober!



Die nächste Lesebühne lauert schon, um euch am 28. Oktober mittels der Präsidentschaftspräsidentin Ilse Kilic ins Glück zu stürzen! Natürlich wieder im Strandgut. 

Montag, 19. September 2022

Riesensensation: Mensch und Maschine treten im weltersten Poetry Slam gegeneinander an!

28. September, Solaris Bar, OK-Platz Linz, 20 Uhr

Deep Blue Danube: Man vs. Machine – der erste digital-analoge Slam der Welt in Linz! Künstliche Intelligenz tritt gegen AutorInnen aus Fleisch und Blut an! Da auch bis Ende 2022 wahrscheinlich noch keine überzeugenden Androiden auf dem Markt sein werden, übernehmen echte Menschen (hochgeschätzte KollegInnen und Bühnenprofis wie etwa Markus Köhle, Mieze Medusa, Fabian Navarro, Rene Monet et al.) weiterhin die Show. Sie tragen in zwei Runden je einen eigenen und einen „artifiziellen“ Text eines Schreibprogramms vor. Das Publikum bewertet nach Standards des Poetry Slams und bekommt am Ende die Bonus-Ergötzung des Rätselns: Ist der Siegertext von Menschenhand oder von seelenlosen Algorithmen generiert?

Aufklärende Satire und intelligente Dummheit sind den „Original Linzer Worten“ süße Pflicht. Für das groß angelegte Projekt „Roboterliteratur“ hat die dienstälteste Lesebühne des Landes erfolgreich nach Verbündeten gesucht: Der oberste oberösterreichische Poetry-Slam-Verein „Post Skriptum“ ist unser Partner bei der Ausrichtung des ersten „Man vs. Machine“-Slams der Welt, bei dem von KI generierte Texte gegen jene von Slam-Stars antreten.

Die Texte der KI erstellen die OLW mit Hilfe von Ali Nikrang: Wir stellen GPT-2 literarische Aufgaben im Bemühen, so „menschlich“ wie möglich zu klingen, damit der Wettkampf spannend wird. Die geladenen Stars der Szene tragen einen eigenen Fünfminüter vor, den sie im Idealfall zu einem vorgeschlagenen Thema verfassen, sowie einen der KI-generierten Text.

Mittwoch, 7. September 2022

Kurz und Klein: Sprint- und Bonsai-Literatur am 23. September

Obacht, wir bledern voll in einen hyperaktiven Herbst!

Freitag, 23. September 2022, 20 Uhr, Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße, 4040 Linz).

Eintritt frei! Der Austritt kostet 2 € (= 1 Tombolalos)

Das Leben ist kurz und groß die Kunst! Sie muss deswegen aber nicht immer so lange dauern. Mitten in der Energiekrise wollen wir euch keine Zeit stehlen. Die Lesebühne verpulvert zwar wie immer fast zwei Stunden, weil die Präsidentin sich fix in ihren Ankündigungsgirlanden verheddern wird („In schwierigen Zeiten keine Veränderung!“), aber Prof. Buttinger wird besonders scharf auf Kürze und Würze des literarischen Outputs achten. Chefingenieur Monet muss dieses Mal keine unerschöpfliche Stromquelle erfinden (Top-Job im August!), sondern einen Menschenschrumpf-Automaten sowie einen Klassiker-Eindampf-Schreibroboter. Wahrscheinlich kommt aber wieder alles anderes, woher sollen wir das vorher wissen, was wir euch in zwei Wochen auf die Bühne pracken? 

  

Foto: Carmen Sulzbacher

Zu Gast ist Katrin ohne H, die slammt und moderiert wie eine Eins, und deren Kunstwollen wir im lieben Innsbruck schon lange mit begehrlichem Wohlwollen betrachten. Ihr wisst ja, „Frau Herrmanns Katerstrophen 5000 = Innsbrucks intermediale Lesebühne“ ist unser love interest.

Mit kurzweiligem Liedgut von der hauseigenen Band "Blutgruppe" und kleinteiligen Präsenten bei der Tombola des Grauens. Das alles im höchstgeschätzten Strandgut!

Die Original Linzer Worte sind die welteinzige Lesebühne mit integriertem Entrümpelungsservice: Tombolaspenden werden gerne angenommen.