Mittwoch, 4. November 2020

Furzende Lobpreisung, Stechschritt am Strand, geohrfeigte Kanzler und Luis de Funes im Piratenspaßbad. Nachlese zur Wellness-Lesebühne.

Heissa, war das damals entspannend! Dabei war die Welt einst am 23. Oktober noch gar nicht so schrecklich und ermattend wie sie heute, zwei bescheuerte Wochen später ist! Und mit selbstsicherem Stolz verweisen wir auch auf die überaus bedachtsame Seuchenhandhabung unserer Gaststätte. Dem "Strandgut" war es ein Leichtes, das überraschend zahlreiche Besuchsvolk tetrisartig so zu koordinieren, dass ein Kluster (fürderhin eingedeutscht auszusprechen) hintangehalten blieb. 

So trug es sich also zu, dass Chefingenieur René Monet seine künstlerische Mühewaltung geschehen lassen konnte. Dreistimmig kam es zum Vortrag des Blutgruppen-Evergreens "Am Friedhof is a jeda"; die Präsidentin muss Bass singen, weil am unbegabtesten - was sie nicht von der Verhunzung eines Klangstücks der Grungekapelle "Nirvana" abhielt, aber dazu später. In Abstimmung mit dem Wellness-Thema verlas Monet seine Vorstellung vom rundum gelungenen Tag. 24 Stunden, in denen er in einem von Schimmeln gezogenen weißen Ferrari sitzt, von Sängerknaben zu seinem Mausoleum am Pöstlingberg hinaufgetragen wird und - weil er den Heiligen Geist eingeatmet hat - vor dem Schlafengehen noch furzend die Schöpfung preist. Im Kontrast dazu seine Saunaschnurre, in der Karlicek Leistungsträger mit Kinderlulu-Chlor-Aufgüssen zum Speien bringt.

Auf große Zuneigung traf unsere Gästin Puneh Ansari: Das Publikum "feierte" ihre das Herz rührenden Schnurren "hart", wie es anwesende Jungendliche(!) bezeichneten. "In der Zwischenzeit eine kleine Geschichte!"

Da macht etwa eine Haselmaus im Paillettendress Flashdance-Routinen auf Rollerblades, Ameisen erleben "außergewöhnliche Überraschungen" im Strandbüffet, und kleptomanische Eichhörnchen kriegen eine Chance in einer Eissalon-Tageseinrichtung. Besonders schön passte die Ratgeberliteratur zur Stressbekämpfung im Urlaub, wo es sich empfiehlt, zur langsamen Adaption an das stressige Nichtstun täglich fünf Minuten am Strand Stechschritt zu machen, und "wenn's kommen will, ruhig bellen!" Bester Satz: "Journalismus ist Stress, Druck und Scheiße. Mich interessiert alles zu Tode!"

Stichwort "Journalismus": Professor Buttinger hat damit zu leben gelernt, er ist nicht von ungefähr das psychisch toughste Mitglied des Ensembles. Andererseits hat er in Wissensbelangen auch die Nase vorn, was er mit der üblichen Einleitungs-Erklär-Orgie zum Beweis brachte. Weiters: Das Reisen ist ein Top-Tool in Erholungsbelangen, geht derzeit aber nicht gut, in dem Sinn, dass es gar nicht geht. Aber nur, was die Translokation von Körpern betrifft! Die Reisefreiheit des Geistes hat sich unser Professor zunutze gemacht und zum geistigen Entspannungsausflug geladen. Wir bedanken uns bei der hier abgelichteten erleuchteten Dame, die offensichtlich wirklich gut mitgegangen ist.

Zur Belohnung durften alle Geistreisenden den Bundeskanzler wohlbegründet und erleichtert ohrfeigen, ohne sich eines Offizialdelikts schuldig zu machen. Beim Tagebuch schließlich fand sich der Buttinger im Bauch einer Python wieder, wo es sich der pfiffige feine Herr aber gleich mit Chippendale-Fauteuils gemütlich zu machen wusste.

Eine Maria Callas der Gemütlichkeit ist Bundespräsidentin Meindl. Sie träumt von einer personalisierten Therme, in der Stefan-Kaineder-Lookalikes Massagedienste verrichten und die Golden Girls in Dauerschleife laufen. Dazu gibt's Malakofftorte und fruchtigen Steinobstschaumwein. Was wiederum genau ihre Vorstellung von einer Regressionsdisko ist, in der sich die guten Kräfte durch geistigenRückzug kurz erholen, damit sie danach umso energischer die Revolution betreiben können. Ziel ist selbstverständlich das Goldene Matriarchat, denn es gibt kein richtiges Leben im falschen.

 
Um dem lieben Volk eine populistische Freude zu bereiten, verlas sie den zweiten Teil ihrer Hommage an Luis de Funes. Dieser inkarniert in ihrem Leib und kämpft damit gegen die Windmühlen des Entspannungszwanges. Blöd. Sehr blöd! Zum Schluss vergriff sie sich an "Lithium" und hatte nach 34 Yeahs! am nächsten Tag Kehlkopfziepen.

So war das also. So "Gott" will, sehen wir einander heuer noch einmal am 3. Dezember im Kulturzentrum Hof. Ihr alle werdet hinkommen wollen, denn der sehr gute Mann Martin Amanshauser wird zu Gast sein. Das Thema ist relevant, aber auch episch: "Der Kapitalismus ist eine Sau!"



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