Mittwoch, 25. Oktober 2023

Teure Zahnlücken, Auto-Ärsche und sehr faule Mäuse. Die Nachlese zur Karriere-Lesebühne

 Fotos: Dieter Decker <3


Bonjour, liebes Loser-Kollegium!

Wollt ihr wissen, wie's bei der Karrierelesebühne war? Ja sicher doch, ihr lest ja immer noch, obwohl euch dieser Text gleich von Beginn an jovial anduzt! Es war wie immer sehr schön. Wir versprechen, auch ehrlich davon zu berichten, wenn's ein Schas war, aber es ist halt bis jetzt noch nie ein Schas gewesen bei uns und im Strandgut. Wer das anders sieht, findet täglich alternative Wasserglaslesungen empfindsamer Instrospekulanten OHNE Tombola und Bier. 

Wo waren wir? Genau, bei der erfolgreich versemmelten Idee, eine erfolglose Lesebühne über berufliche Laufbahnen zu machen. Wenig überraschend hält das Fixensemble nicht allzuviel vom Bravsein im Dienste eines Chefs (weil der Professor und der Chefingenieur aus VERNUNFT und LIEBE die Anweisungen der Präsidentin ausführen). 

Zunächst standen die Zeichen gut für eine Lesebühnen-Karrierenbremse, da der Herr Chefingenieur Monet kurzfristig den Unbillen der Leiblichkeit nachgeben musste. Wir konnten dem Publikum aber weismachen, dass nicht die Gastrointestinale Malaise schuld war, sondern wir den Monet einfach im Sinne des lean managements ins Home-Back-Office outgesourct haben. Der tüchtige Ingenieur hat sich aber von zuhause aus recht unentbehrlichen machen können, da das verbleibende Fixensemble jeweils eine ziemliche Blinse mit moderner Veranstaltungstechnik ist.


Wir hätten schon ahnen können, dass es mit dem Ablosen nichts wird, weil ja Isabella Scholda unsere Gästin war! Und der lässt sich nachsagen, dass sie das Schlechtsein schlecht kann. Gute Frau! Sehr gute Frau! Wir haben sie von Beginn weg in unser Herz inkludiert wie eine Mücke im Bernstein, als sie sich bei sich selbst bewarb. Ihre größte Schwäche: "Ich kann nicht Nein sagen! Ich will euch ja gefallen!" Dabei ist es ihr ein sehnlicher Wunsch, auch einmal kompliziert sein zu dürfen. Etwa im Restaurant etwas zu bestellen, das nicht auf der Karte steht. Auf die Frage, ob es denn geschmeckt habe, kalt "Nein" zu sagen. Oder gar nach der Managerin zu schreien, weil SALZ in der Suppe gewesen war, aber "Salz vertrag' ich nicht!!!" 


Sehr schön auch ihr Sinnieren einer 29(!)-Jährigen, die Einträge in Kinder-Freundschaftsbücher evaluiert. Hätten sich die erfüllt, wohnte sie jetzt mit Ralf in einem "oroschen" Einfamilienhaus mit sieben Kindern drin und wäre Bergfrau von Beruf. 

Im Land, das von einem berühmten Zahnlückenträger regiert wurde, beklagte sie, sehr viel Geld für das Verschwindenlassen einer Zahnlücke, in die einst ein Jolly-Buntstift gepasst hatte, man gebe ein Vermögen für etwas aus, das man nicht sieht. 

Professor Klaus Buttinger schwadronierte in seiner Einführungsvorlesung zum Thema "Karriere", dass das eigentlich Auto-Arsch bedeute bzw. ein sehr schnell galoppierendes Pferd. Natürlich kommt man da an Hitlers Impotenz nicht vorbei, es geht weiter zu den Karrierekrüppeln des modernen Managements und am Ende kriegt der Burgermeister-Kanzler den ersten Schlag mit dem nassen Fetzen ab. Erhellend auch "Karriere mit Lehre": Hätten Sie gewusst, dass Karin Edtstadler gelernte Kältetechnikerin ist und Thomas Stelzer Friedhofsgärtner? 

In Abwandlung von Randy Newmans "I don't like short people" erging ein nasser Fetzenschlag an die Kurz-Männer, bevor er eine Lanze für den Mann unter 1,70 brach - man muss lieb zu ihnen sein, sonst erobern sie Polen. 

In seinem sehr anrührenden Schlusslied sang der Dean Martin von Wels so von der "Scheiß Karriere", dass es klang wie "That's amore!"

Bundespräsidentin Meindl schrieb zuerst ihr eigenes Leben aus und befand dabei, dass das viele Herumliegen und Wandern eigentlich niemandem anderen zuzumuten ist. Dann gab sie mit ihrem neuesten Karriere-Move an, einem Drehbuch-Mischmasch aus "Und ewig singen die Wälder" und "Das Schweigen der Lämmer". Im Hauptbeitrag bedachte sie das Volk mit beschissenen Karrieretipps, etwa: Erben, das Geld arbeiten lassen (ÖVP), von der Mama fördern lassen (Gen Z), Matriarchat und sich selbst als dessen Herrscherin ausrufen (Meindl), in der Heizdecke zum Bewerbungsgespräch (Arbeitsscheue), extremer Existenzialismus: "Ich sehe mich in fünf Jahren weiterhin am absoluten Rand des beobachtbaren Universums und vielleicht sind wir beide dann schon tot." Ein wirklich aufrichtig gemeinter Karrieretipp war schließlich die FrederminkTM-Methode, derzufolge man nicht physisch arbeitet, sondern beim Wandern die Farben des Sommers sammelt, von denen man den anderen Mäusen dann im neoliberalen Winter unseres Missvergnügens erzählt ("Machen wir eine Skitour, Karriere ist eh überschätzt!"). "Du bist und bleibst eine faule Maus!", sagte die Kanzlermaus durch die zusammengebissenen Zähne hindurch. 


So war das! Wir sehen einander (VOLLSTÄNDIG, hörst du, Chefingenieur?!) am 24. November, wenn der gute Wolfgang Pollanz mit uns die Frage beantwortet, was es eigentlich Neues von die Tiere gibt. Wie immer im hochgelobten Strandgut!

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