Montag, 1. Februar 2016

Blut, Bier und Blödsinn: Die Shakespeare-Lesebühne


Oh Captain, mein Captain! 
Das war vielleicht eine Lesebühne! Eine, wo wir selbst sagen, jawoi, das war eine Lesebühne. Natürlich sagen wir das von jeder, das ist ja so wie bei den Kindern, die man so kriegt im Laufe des Lebens. Aber insgeheim da denkt man sich schon, quasi, diese Lesebühne vom Freitag, mit all dem Drama, der Lyrik, dem Bier, der Fecht-Action auf der Bühne, Tod und Wiederauferstehung, dazu das gute Schläglbier UND am Schluss Nacktbilder von der Meindl: DAS ist doch was!
Und schaut, das Bühnenbild! Eine kombinierte Verneigung vor den Königsdramen, Hamlet UND der Brauerei!


Sehr glücklich waren wir vor allem mit dem Stargast Christopher Hütmannsberger. Er selbst verleiht unserer Freude sein strahlendes Gesicht. Wir haben's ja vorher nicht gewusst: Er hat ein Shakespeare-Tattoo auf dem Arm. Das ist eine Vorbereitung! Dazu Texte vom Stoff, aus dem die Publikumsträume gemacht sind. Soll man sich immer wieder anhören. Sehr bravourös nahm er auch das Rollenschicksal an, das wir ihm am Freitag auf den Leib geschrieben haben. Seine Interpretation von Linda Putz + Lady Macbeth wird uns noch lange erheitern und schockieren zugleich.


René Monet ließ Rambo Hamlet aus Syrien heimkehren, unverstanden und verfolgt, was selbstredend auch wieder blutig enden musste. Sodann vermählte er David Bowies Chína Girl mit Falcos Jeannie: "Niemand wird dich finden, denn du bist bei mir!" In seinem Tagebuch berichtete er, wie er selbst in der Donau ertrank und dann als seine eigene Zwillingsschwester in Sklavenfron bei den Original Linzer Worten geriet. Arg!


Prof. Buttinger verlieh dem törichten Treiben zunächst wieder pädagogisches Gewicht, indem er auf mögliche royale Co-Autoren am Shakespeareschen Oeuvre ("Oh, sei mein Tampon!") und apokryphe Werke verwies: Alfa Romeo und Giulietta, Der Widerspenstigen Lähmung etc. In dieselbe Kerbe schlug sein Versuch, das Publikum mittels Shakespeare-Zitaten und Belohnungsschoki operant zu konditionieren. Denkwürdig seine Adaption von David Bowies Heroes: "Mia san Hödn! Nur fia an Doooohooog". Beim Tagebuch besang er sein fülliges Haar, die Heuschreckenplage ("Meindl!") und sein Lieblingsrezept für Fisch (graved).


Meindl "erhellte" das Publikum mit einer postfeministischen Exegese namens Der Kaufmann von Venedig im Regen: "Und einmal im Monat, bluten wir da nicht?" Ihren Hass schrieb sie sich von der Seele und der Familie an den Leib: Möbel des Bösen. Am Ende sind alle tot, niemand muss mehr Jubiläumspreise beim XXXLutz zahlen. Was für eine üble, depperte Firma! Nimmt uns den Krebsen und zahlt keine Steuern. Am Ende fliegen alle aus dem Fenster. Beim Tagebuch schlüpft Meindl in die Rolle des Lear und wird in ihrer Liebeserwartung genauso enttäuscht.


Am Ende ermorden sich alle auf der Bühne. Dann lachen sie, erstehen wieder auf, klopfen sich den Staub von den neuen Hoserl und verschenken bei der Tombola des Grauens Batterieladegeräte, MRT-Bilder und Speibsackerl. 

Derlei Späße mehr tischen wir euch am 26. Februar wieder auf. Bis dahin gehabt euch wohl!

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