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Montag, 6. Juli 2026

Menschenopfer, Urknallketten, Reklamationen und abgetrennte Gliedmaßen: Rückblick auf eine lauschige Sommerlesebühne

Fotos: Dieter Decker <3

Geliebte Völker, 

wenn sich sogar ein Garten an den Gestaden der Donau in einen Backofen verwandelt, ist uns jeder einzelne real anwesende Mensch im Publikum Ehre und Auftrag. Also eh viel Freund, viel Ehr! Heiß war's, dann lauschig. Wir sind auch mehr als eine Woche nach der Sommerschluss-Lesebühne noch ziemlich dings, weil es so schön war. 

Also - hier eine Nachlese zum Thema "Was bisher geschah".  

 

Die Einführung bot wie immer Professor Buttinger, eh nur eine kleine Geschichte der gesamten Menschheit. Jedoch! "Man weiß von der Geschichte der Menschheit nicht recht viel. Zwischen den Ägyptern und dem Urknall liegt das weite Land des Unwissens." Immerhin die zwei großen Fragen lassen sich klären: "Woher kommen wir?" "Wohin gehen wir?" Und zwar je nach Gusto wechselweise mit "Bett" oder "Wirtshaus". Das Universum selbst sei ein Kontinuum an Urknällen, was spannend, aber auch paradox ist. Gut, dass der Herr Professor so etwas gleich zu Beginn erzählt, man wird mit dem lieben Bier im Laufe so eines Abends nicht vifer. 

 

Vif (bzw. vive) ist ein guter Übergang zu unserer lieben Gästin Nadja Bucher. Das Thema hat sie entsprechend gewählt, "da kann man eine Rückschau aufs eigene Werk machen und ALLES lesen!" Sie sieht gar nicht so aus, ist aber eine langjährige Adressatin unserer professionellen und persönlichen Zuneigung! Wir, die "Original Linzer Worte" sind zwar die dienstälteste Lesebühne des Landes, chronologisch aber nur auf Platz drei, hinter jener legendären, vergangenen Unternehmung namens "Dogma Chronik Arschtritt", mit der Bucherin mitten im Ensemble. Im Gegensatz zu uns sieht Madame Bucher frisch wie das von ihr an diesem Abend getragene Ananas-Kleider aus: "Wie die junge Emma Thompson von Floridsdorf!", wie Präsidentin sagt. Frisch selbstverständlich auch ihre Textauswahl, etwa aus ihrem Standard-Werk "Die Doderer-Gasse". Besonders gut ist dem Publikum der Reklamier-Text gefahren, den man eigentlich auswendig lernen sollte, bevor man IRGENDWAS kauft. 

 

Damit es nicht allzu lauschig wird und wir wegen zu großer Lieblich- und Gefälligkeit den avantgardistisch-experimentellen Charakter unseres Kunstwollens aberkannt kriegen, schreitet nach bewährtem Modus unser Chefingenieur René Monet ein. Auch er bot eine Rückschau, nämlich exakt zum Moment, an dem sein "literarischer Niedergang" anfing - also zum ersten Text, den er jemals für einen Poetry Slam schrieb. Kenner*innen schmatzen jetzt mit den Lippen, das muss die Odyssee mit dem kleinen Vogerl im Kopf sein! So ist es. Um die Klammer zu schließen, schrieb Monet auch brennfrisch Neues - die Schmerzensgeschichte des Basejumpers Bertil, begleitet von Buttingers Quietschen bedrängter Babyrobben. 

 

Gemeinsam mit dem Professor bildet der Chefingenieur bekanntlich die kompakte Kapelle "Die Blutgruppe". In dieser Form wurde das Klangstück "Geschichte wird gemacht" leicht aktualisiert zu Gehör gebracht:  

"Keine Zeit für Jause
Profite wer‘n gemacht
Es geht zurück!

Krieger-Schergen
mit Haaren in Brunzgelb
Es geht zurück"

Der Chefingenieur sang als Schlusslied: "Wir rennan weg für immer! Und uns is wuaschd, wos fria woa!" (Quasi von "Weezer"). 

 

Die Bundespräsidentin Meindl (hier bei der allseits "beliebten" Tombola des Grauens) kam gleich einmal ohne Schuhe auf die Bühne, wegen casual friday. Dann hub sie an, über den Männerfußball zu schwadronieren, dass man etwa gut aufpassen müsse beim "Leibertausch", und dass die Herren im Matriarchat eh weiterspielen dürfen, weil es sich ja um ein Spektakel hübscher Männerkörper handelt. Bezahlt werden die Fußballer aber nach dem Elementarpädagogik-Kollektivvertrag. Im Anschluss daran verlas sie in schludriger Kürze Passagen aus ihrer nichtautorisierten Autobiographie, damit das Publikum nicht merkt, dass nicht sie die lustigste Meindl ist, sondern möglicherweise Meindl die Jüngere (die Autobiographieautorin). Im dritten Text schreibt sie ihre Vita selbst, was ziemlich in die Hose geht bzw. aus der Hose. Was ist passiert, was hat dich bloß so ruiniert? Es waren die Monate, als sie in der Altstadt lebte und jede Nacht Männer auf ihre Zeitung ludelten:

"Dass ma do narrisch wiad
dass ma do explodiert
Weui: Wos wiad do so vü uriniert?! 
Wos wiad do so vü uriniert?!!!!"

Dann aber kommt Sepp Forcher, und alle singen miteinander "In die Berg bin i gern", denn es soll ja alles schön enden vor dem Sommer. 

 

Im gemeinsamem Tagebuch wird berichtet, wie der Plan, endlich auch noch so einen gschissenen Podcast zu machen, ziemlich eskaliert, sodass es am Ende nur dank des beherzten Eingreifens unserer Exekutive verhindert wurde, dass Nadja Bucher auf der Spitze der Pyramide, die auf dem Schöneringer Friedhof errichtet worden war, mit einem Temu-Stabmixer am Herzen als Menschenopfer dargebracht wird. Zugehen tut's in der Welt! 

 

Von all diesen Machenschaften müssen wir uns ALLE jetzt ein Neichterl erholen. Wir sehen einander erst wieder am 16. Oktober. Das ist freilich ein Skandal. 

Wir küssen die Stirnen der guten Menschen vom Strandgut, die uns all den Show-Kram auf die Wiese getragen haben und generell Schatzis sind. Und wir freuen uns auf die zwei kommenden Gastspiele im DH5. Es kommt die "Eierstockgäng"! Und im November der sehr superne David Samhaber. Aber alles der Reihe nach. Jetzt einmal SOMMER. 

Wir halten euch auf dem Laufenden! Nein: Trabenden. Schlenderndem. 

Gehabt euch wohl, seid gesegnet im Namen des Matriarchats! 

Mittwoch, 10. Juni 2026

Was bisher geschah. Letzte Lesebühne vor den Sommerferien!

Freitag, 26. Juni, 20 Uhr, Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße 25, 4040 Linz). Eintritt frei! Der Austritt kostet 3 € (= 1 Los für die Tombola des Grauens)

 

 

Zu Gast: Nadja Bucher (Wien)

Wenn man zu einer erfreulichen Frauensperson „Grande Dame“ sagt, klingt das, als sei die Adressatin so alt wie Bergkristall. Aber nichts da, Nadja Bucher hat sich den schmückenden Beinamen über ihre schiere Existenz verdient! Vom Betragen ähnelt sie einer Hofrätin, aber wenn sie gut aufgelegt ist, bringt sie schon mal eine saftige Sexszene zu Gehör. Es ist im besten Sinne wurscht, was sie uns beim Sommerschluss unter ihrem Wunschtitel vorliest – es wird uns alles gefallen! (Wir sind ja nicht deppert und laden uns eine Bisgurre ein. Au contraire! <3)

 

Der 26. Juni ist im Übrigen ein recht brauchbares Hochzeitsdatum, Bindungswütige können sich also an die Bundespräsidentin Meindl wenden, um sich trauen zu lassen (eine Stunde bis ewig). Die historische Einordnung alles bisher weltweit Geschehenen übernimmt wie immer Chief Mansplainer in Charge, Professor Buttinger. Chefingenieur René Monet schreibt vielleicht wieder einen Ohrwurm, von dem wir alle dann was bis in den Oktober hinein haben.

Natürlich mit sommerlich leichter Tombola des Grauens und der Ferien-Party-Band „Die Blutgruppe“. Es empfiehlt sich eine Sitzplatzreservierung! 

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„Original Linzer Worte“ ist die welteinzige Lesebühne mit Entrümpelungsservice: Tombolaspenden werden gerne angenommen.

Weiterführender Infospam: https://www.facebook.com/Original-Linzer-Worte-112861892081408/

Donnerstag, 1. Juli 2021

Basteln mit Kriegsverbrechern, literarische Jugendsünden, im Fegefeuer mit Clown Enrico und traumatisiert durch den Jungen aus Flandern: Das war unsere Kindheit, die kann jetzt weg.

Die OLW-Nachlese zum Saisonstart im Kultur Hof: "Kindheit - ist das Kunst oder kann das weg?" Mit Gästin Nadja Bucher.

Man kann freilich schon von einer energetischen Verwurschtelung sprechen, die Saison exakt dann zu starten, wenn sie traditionell eigentlich endet und in das Liegen in der sozialen Hängematte münden soll, das so lange dauert, dass sich die Mattenschnüre so in unsere Hintern graben, dass es schon bissi wehtut. Andererseits sind wir ja quasi erholt, es fühlt sich nur nicht so an. Hier endet das Proömium. 

Oben zu betrachten ist unser Professor Buttinger, der die 34 Phasen der Kindheit beleuchtete, von der pränatalen bis zur letalen. Gründlich! Profund! So verdient man sich den Bolognapunkt ganz easy mit Lauschen. Auch erzählte der Buttinger von seiner Kindheit hinterm Krieg, als es noch keine Demokratie gab, nur ÖVP. Und keine Betäubung beim Zahnarzt, und SS-Sturmscharführer beim Kinder-TV-Basteln. Arg! Bitte übrigens nicht an Herbert Grönemayer verschergen, dass wir seine "Kinder an die Macht" exakt umgekehrt empfehlen, siehe die aktuelle Bundesregierung, die ja auch unseres Erachtens etwas zu jung ist. We don't need no old education, all we need is a Bildungsreform, sunst lebn ma boid im Woid!

 
 
Oben und unten sind warenförmige Materialassemblagen zu "bestaunen", Ersteres die stark angeschwollene "Tombola des Grauens" samt 3-D-Fernseher ohne Strom und zahllosen Statuetten aus dem Bestand von Bundespräsidentin Meindl. 
Gleitet das geneigte Auge leicht nach unten, erfasst es den "Merch", wie es in der "Szene" heißt, also die Produktpalette, der ihre Metamorphose hin zum Tombolagut noch bevorsteht. "Die Doderer-Gasse" unserer lieben Gästin kann locker noch auf 27 schöne Jahre im Produktzustand erwarten.

Auch in Chefingenieur René Monet hat sich Gedankenstau gebildet, den er sehr gelehrig in Tombolatexte kanalisierte. Da wäre etwa der Schulversuchsbericht zu nennen, in denen Menschen mit regierungsähnlichen Namen über Klassenkasperl und Streber unter den Impfstoffen konferierten: Der chinesische Austauschschüler Sinowatz kriegt gar nichts geregelt. 

Sehr betroffen war das Publikum nach Enthüllung seiner germanistischen Entdeckung über die Jugendsünden unserer klügsten und besten AutorInnen: Jandl hat gestottert, Handke dauernd beim Fußball versagt, Artmann war ganz besessen vom Kaschperltheater, Bachmann hat ihren eigenen Preis nie gewonnen, dafür aber die recht dämliche Serie mit Al Bundy geghostwritet. Stefan Zweig war ein notorischer Schummler beim Schach und Wolf Haas hat immer noch Betretungsverbot beim Gendarmerieposten Maria Saal, weil er als junger Strolch andauernd hineinrannte und "Jetzt ist schon wieder was passiert!" rapportierte (Fake News).


Jetzt aber endlich zu jenem Menschen, der dem geliebten Publikum an jenem Abend am "seltsamsten" war, wie der Mühlviertler so schön den Abwechslungsreichtum benennt. Unsere wertgeschätzte Gästin der Herzen, Nadja Bucher! Sie las wie bestellt und gewünscht aus ihrem jüngsten Werk, "Die Doderer-Gasse", die es hier im Falter von der Präsidentin herrezensiert und zu erwerben gibt. Der Großdichter reinkarniert als sehr bizarrer Dämon im Leib einer Neugeborenen. Das Matriarchat befindet, dass es eh keine Strafe sei, das Leben einer Frau erfahren zu dürfen. In Zukunft zumindest. Eine weitere extrem tragende Rolle übernahm Madame Bucher beim Verlesen des Sozialdramas "Du bist Familie Petz", in dem sie der recht neoliberalen, unangenehmen Ratte Fips ihre angenehme Stimme gab.

Die Frau Präsidentin Meindl schließlich enthüllte das Geheimnis ihrer unregulierten Zähne ("Mit einem Vampirgebiss vom Spielwaren Beyerl geht's nicht"), gewann per "demokratischem" Applaus-Battle den Wettkampf um die schlimmste Kindheit (s. Vampirgebiss und Wochentagsunterhoserl) und referierte über den Kollateralnutzen extrem traumatisierender Kinderserien in den frühen 1980ern: Niklas erfriert jämmerlich in der Kathedrale, Perrine ist eine obdachlose Minderjährige, aber dafür ist die Generation X stoisch angesichts präpotenter Boomer und woken Schneeflocki-Millennials. Sie kündigte an, es ihrem "Kollegen" Brezina gleichzutun und Kafka in Reime zu bändigen: "Am Morgen aus dem Schlaf erwacht, der Gregor in die Hose kracht: Ich scheiß mich an, ich bin ein Käfermann!" Dann schändete sie Nirvana und wurde vom Tontechniker wegen Verwüstung der Anlage getadelt, aber so ist das halt im Grunge.


Im abschließenden Sozialdrama kommt es zu angewandter Umverteilung zwischen den Generationen (Petzi flaucht Hilde Petzens Haushaltskassa und vertuscht alles im Zuckerlgeschäft mit der Ratte Fips). Die Jury des "Not so new Comer"-Stückewettbewerbs des BmUKK sah trotz der literarischen Leuchttumrqualität des Oeuvres keine Möglichkeit, das kritische Werk, das den Finger an die an der Zeit nagenden Zähne legt, zu berücksichtigen. 

Und sonst noch? Der Chefingenieur erfindet die ewige Jugend, die aber nicht lange hält und immer wieder in einer schiachen Pubertät endet - so weit behauptet es das Tagebuch. 

Jetzt aber ist wirklich genug berichtet worden, gleich haben wir ja Sommerferien und wollen raus zum Völkerball! 

Am 23. Juli kommt's uns wieder alle her, diesmal ins Strandgut an der Donau, denn dann beweisen wir euch gemeinsam mit Martin Amanshauser, dass der Kapitalismus eine Sau ist.