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Dienstag, 26. November 2024

Am Scheitern gescheitert, aber auf niedrigem Niveau

Derzeit lebt man ja in minderwertigen Zeiten - was die Generation X vor spannende Herausforderungen stellt: Erzogen wurden wir ja im Glauben, nichts Besonderes zu sein und sehr brav im neoliberalen Hamsterradl hurteln zu müssen. Da erschien uns das Scheitern als passende Verweigerungshaltung, der Herr Beck hat uns eine Hymne dazu geschrieben. Was für ein Unfug.

So schaut das Nichtscheitern aus (Good Girl! Good Boys!) Foto: Hermann Zirknitzer, merci!

Jetzt sind aber alle so dermaßen deppert in der Welt draußen, und wir armen Deppen zwischen 41 und 59 grad so eingespannt im Hamsterradl, dass Scheitern echt keine Option ist, wenn das noch was werden soll. Also haben wir einmal angefangen mit der Weltrettung und eine sehr gelungene Lesebühne in den Raum gestellt (auch wenn wir überhaupt nichts geübt haben dafür). So ehrlich muss man schon sein! Jetzt ist nämlich Schluss mit der Dezenz der Generation Loser!

Wie war's also konkret am vergangenen Freitag, geschätzte Fördergeber, liebe Nachwelt, verehrte Verhinderte? In seinem Einführungsvortrag stellte unsere Gescheithaube Prof. Buttinger gleich einmal fest, dass das Scheitern nicht nur systemimmanent sei, sondern geradezu notwendig für den Fortschritt! Wie gut etwa, dass die Nazis mit ihrem 1000-jährigen Reich gescheitert sind, die 12 Jahre reichen eh in die Haut hinein (und jetzt feiern sie außerdem grad ihr Comeback, ächz). Sehr wahr aber auch: Nur, wer keine bis geringe Erwartungen hat, kann Scheitern vermeiden." In seinem musikalischen Beitrag besang der Buttinger eine verpasste sexuelle Beiwohnung, denn "wauna ruaft, da Wirt, daun muass i hi!" Und als Lyrikzuständiger forderte er relativ unverschlüsselt zum Tyrannenmord in den USA auf - El Hotzo wurde dafür gecancelt, wir haben sehr geklatscht! 

Das Thema haben wir zwar passgenau wie einen Slimfit-Anzug unserem lieben Gast Martin Peichl an den metaphorischen Leib geschneidert, aber natürlich hat auch er bei der Umsetzungnicht versagt. Er las drei der besten Kapitel seines Buches "Es sind nur wir": In einem müssen kaputte Vögel neu programmiert werden. In "Wie Haut funktioniert beschreibt er exakt den Limbus zwischen Halloween und Weihnachten, man hätte sich als Saurier und Meteorit verkleiden können, um Katastrophe zu spielen. Noch elender ist Flaschendrehen zu zweit. In "Eine Sprache aus Wasser" (gewidmet allen Buchmenschen) denkt sich der Protagonist eine Bibliothek der verramschten Bücher aus (die Präsidentin gerät ins Sinnieren, die Hälfte ihres literarischen Oeuvres wäre darin zu finden). Besonders schön ist Peichls "Wörterbuch des Versagens", in dem er von 13 Architekten erzählt, die sich wegen gescheiterter Bauten umgebracht haben. Oder vom längsten Marathonlauf der Welt. Und von der "Oregon Whale Explosion". Was wir in den Weihnachtsferien machen: Das geschilderte literarische Trinkspiel, bei dem man pro Ungenauigkeit in einem Buch einen Schnaps trinken muss. 

Da hätte man in Meindls Roman nüchtern nicht einmal den ersten Satz geschafft (zumindest in der ersten Auflage). Die Frau, die sich bekanntlich zur Bundespräsidentin ernannt hat, um von ihrem beruflichen Scheitern abzulenken (den Move hat ihr der Trump abgeschaut), begann mit der Verlesung all dessen, was sie nicht kann ("Eskimorolle, Japanisch, Vergeben"). Im zweiten Text versuchte sie wieder einmal vergebens, mit einem törichten Mashup-Drehbuch aus zwei Filmen ("Per Anhalter durch die Galaxis" + "Matrix") Geld zu machen: Alien-Mäuse erlangen die Weltherrschaft, weil es ihnen gelingt, die negative Energie der Menschen auszubeuten - Wels, Lehrer, das Standard-Forum... Ihr "musikalischer" Beitrag war das Element des Abends, das in seiner schlampigen Ausführung dem Titel des Abends am nächsten kam, aber weil: 

Chefingenieur René Monet so schön die Bluesgitarre spielte, ging's grad noch durch. Sein eigener Song - eine zeitgenössische Adaption des Bundesbahnblues ("Buserwischeblues") soll an diesem Freitag nicht zum letzten Mal zu hören gewesen sein, bitte. In Prosaform setzte der dem Kleinen Mann ein Denkmal, der so gerne in die Schlacht ritte, aber niemand hat Angst vor ihm, "armer kleiner Mann!" Ein Höhepunkt dann die einfühlsame Schilderung Herrn Ohnewalds, des Standesbeamten von Klein-Klein. Eine schiache Existenz, malerisch eingefangen! Seine Ohren wie zwei Tücher, die in den Schädel gezogen werden, das Brilletragen eine Farce... 

So war das. Nun legen wir für ein Weilchen unsere doch nicht nimmermüden Finger in die Hosentaschen, diese sozialen Hängematten für Schreibende. Ihr könnt euch nun zwei Monate lang still auf unsere Wiederkehr freuen. Wir können in die Zukunft schauen, und da steht: 

24. Jänner, "Schiacher Wohnen" mit Gast Chris Hütmannsberger im WillyFred Linz, 20:30 Uhr

 

Mittwoch, 20. März 2019

Erfolg auf Kosten der Heimat: Linz ist kaputt!


Aus: 

Als wir etwas für die Rampe schreiben wollten, aber dadurch leider Linz zerstört haben.

"Dominika Meindl, 19. Februar 2019, 20:01
Liebes Tagebuch, vielleicht bin ich die erste Schriftstellerin, die ihre Heimatstadt in die Luft gejagt hat. Mir geht es nicht gut dabei.
[...]

Klaus Buttinger, 18. Februar 2019
Liebes Tagebuch!
Eine unfassbare Wucht riss einen Krater in das Herz von Linz, groß wie fünf Hochöfen. Es stürzten hinein – in dieser Reihenfolge: die Nibelungenbrücke, das AEC, das Lentos und das Generali-Hochhaus (weil es echt furchtbar schiach ist).
[...] 

René Monet, 19.2.2019, 22:56
Liebes Tagebuch, ich mag dich nicht. 
Der Pöstlingberg. Einst erbaut von den geflohenen Atlantern nach dem Untergang ihres Kontinents blieb er noch lange im Gedächtnis der folgenden Generationen, bis ihn ein fürchterlicher Drache als seine neue Heimstadt erkor. Nun versunken in einem gewaltigen Loch, gerissen in das Land ob der Enns durch unsere Unachtsamkeit!
[...]"


Mehr dann in der Rampe! Adieu, Linz!


Montag, 17. Oktober 2016

Scheitern am Versagen: Failureberichterstattung

Ach, wir Loser!


Was sind wir doof! Das Thema "Scheitern" hätte uns am vergangenen Freitag wirklich ausreichend Sturzraum gelassen. Aber wir kriegen es nicht übers Herz, euch einen Abend minderer Güte anzutun. So hat die Präsidentin beim Singen ("Mei potschates Leben") nur jeden vierten Einsatz verkackt. Beim Bericht über Weltrettung durch Versagen, den Negativ-Battle-Rap von Künstlerinnen und das frühe Ende früher Fluchten hat sie sich nicht einmal verlesen.


Professor Buttinger hingegen gewährte nach seinem beliebt-unzuverlässlichen Einführungsvortrag Einblicke in sein früheres Leben ("Harte Eier alleine reichen nicht, es braucht auch Geld"). Ingenieur Monet verlas Literatur in gewohnter Qualität und versang ein eh schon am Nachmittag vor der Lesebühne gedichtetes Lied über das Scheitern.


Da unsere liebe Gästin Rebecca Heinrich dank der ÖBB am zeitnahen Eintreffen scheiterte (sie verlängert unsere Vorfreude und wird's im November wieder versuchen), sprang tollkühn Herr Bundesbenji ein und mutmaßte über die Zukunft. Eine Dystopie, in der immer noch nicht gewählt worden sein wird, brrrr!


Apropos einspringen, apropos brrr, apropos Wahl: pardauz! Ein Stargast betritt die Bühne! Nein, es ist nicht Boris Johnson, der wirre Brite. Noch viel ärger! DONALD TRUMP! Dank eines einfachen Zeitreisetricks besucht er uns aus der Zukunft. Als großer Verlierer der US-Präsidentschaftswahl möchte er uns alle dazu überreden, auf die gute Seite zu wechseln. Und er bietet den Frauen seine Hand zur Versöhnung: "Ik haben bemerkt, dass die Frauen ihre Beine nikt nur haben, um herumzutragen ihre Vagina, sondern auk ihre Herz und ihre Hirn!"


Arg! Aber so war's echt. Dann war Tombola, dann war Tagebuch, dann war Schlusslied. Es lebt als Ohrwurm auch heute noch in uns fort: "Jetzt wo i lieg, tretst du hi auf mi!"zur Melodie von "Creep".


Jetzt fahren Buttinger und die Präsidentin einmal in Urlaub. Wenn es sich ausgeht, erobern sie eine karibische Insel - oder bringen von dort einen neuen, frischen Revolutionsgeist mit. Schauet die Ausbeute am 25. November, wenn es heißt: "Buenos Días - die große Lichtbildshow".

Mittwoch, 28. September 2016

Gescheit scheitern: Besser Versagen mit den Original Linzer Worten

Lesebühne am Freitag, 14. Oktober, 20 Uhr
Salonschiff Fräulein Florentine (Urfahrpromenade 1, 4040 Linz) 
Mit Gästin Rebecca Heinrich (Innsbruck) 



Natürlich könnten wir uns auf selbst zusammengedachte Barrikaden stellen und sagen: Scheitern ist wichtig! Versagen ist Revolution! Ruinieren wir das Scheißsystem durch Minderleistung! Der Kapitalismus verlangt uns immer mehr ab – leisten wir ihm passiv-aggressiven Widerstand durch Nichtgelingen.
In Wahrheit ist es aber so – und das verraten wir auch nur euch lieben Lesebühnenfreunden: Wir sind sehr ungeschickt. Prof. Buttinger denkt schneller als sein Körper handelt. Ingenieur Monet ist der Mahatma Gandhi des gewaltlosen Selbstboykotts. Prasidentin Meindl scheitert seit 38 Jahren an den eigenen Ansprüchen und der Weltherrschaft.
Echtes Können und Gelingen vereint nur unsere Gästin Rebecca Heinrich. Sind und haben die Tirolerinnen einfach das überlegene Material? Oder ist sie einfach noch zu jung für eine ausgewachsene Scheiterbiographie? Kommet und schauet ihr beim Scheitern am Versagen zu!
Die Musik der Blutgruppe ist ganz und gar auf das Thema zugeschnitten. Und die Tombola des Grauens trägt alles im Titel, was es braucht.