Die mit dem gebenden Blick erschauten und mit kundigem Finger abgelichteten Bilder sind augenscheinlich wieder vom vereinseigenen Foto-Grafen Dieter Decker.
Geliebte Völker! Einen Teufel werden wir tun und unsere Standards senken - die Lesebühne am 22.5. soll die neue Benchmark sein, der Gold-Standard! Was freilich sehr an der hochverehrten Gästin Silke Gruber lag, die wir seit Jahren stark mögen, mindestens so stark wie ihr Kunstwollen.
Damit gleich zu Beginn das Wichtigste gesagt ist (es ist ja immer Freitag und es darf dabei getrunken werden) stellte der amtswaltende Professor Buttinger gleich in seiner Einleitung fest, dass es sich beim "Pursuit of Happiness" und den ganzen Glücksversprechen um die Karotte an der Angel der Reichen handle, der wir Esel leistungsaffin nachtrotten sollen. Fix nicht! In seinem Lehrgedicht zum Thema "Entropie" teilte er die ultimative Weisheit mit uns: "Vergiss den Sieg, spiel' auf Remis".
Unsere Ehrengästin Silke Gruber war seelisch etwas ramponiert angekommen (jemand hat ihr das mit 1001 Gedichten mühsam erdichtete Auto zuschanden gefahren), ließ sich auf der Bühne dann aber nichts anmerken. Heldin! Sie lud im ersten Text ihre künftige Nachwelt zu einem Informationsabend, wie ihre Abschiedsfeier zu gestalten sei, als Heiratsunwillige werde das nämlich ihr nächstes Lebenshighlight. Es sei ja zu blöd, was für ein Aufwand bei Hochzeiten betrieben werde, da müsse man auf Inseln feiern, von denen indigene Völker vertrieben werden, die Braut serviert in einem Seelöwenmaul usw., man kennt das leider.
In Text zwei forderte sie, das eher unschöne Wort "Warzen" auf das Dermatologische zu beschränken und die Nippel fürderhin als "Augen der Brüste" zu bezeichnen (und die Augen als "Nippel des Gesichts"). 3. "Askese in Aspik": In ihren Texten gehe es immer um Kinder, meistens um deren Zeugung. Nicht aber, was ihre eigene Praxis bedeute! "Des werd' nix mehr, meine sexuelle Zeit liegt hinter mir!" Es ritten sie jetzt neue Gelüste, etwa den Maggispender abzuschlecken, oder auf Kulturveranstaltungen zu gehen, nach denen man um 21 Uhr im Bett liegen könne. Word! (Da war es an diesem Abend aber schon zu spät für.) Im vierten und letzten Text variierte sie poetisch das Tirolerische "Isch eh lei", das wir in OÖ als "Es is eh netta" gebrauchen.
Chefingenieur René Monet kündigte zwei Texte an, einer sei ihm sehr schwer gefallen, der andere nur so aus den Fingern herausgaloppiert. Wir Profis und das Publikum vermochten jedoch keinen Unterschied zu erkennen, beide waren famos. Im ersten erörterte er das Wesen des Durchschnitts. Und was ist der Goldstandard beim Unterhosenwechseln? Im zweiten Text erlitt sein Protagonist eine Explosion und wird zum Kunden des "Gesundheitswesens" der allzu nahen Zukunft, das großräumig privatisiert worden ist. Er könne ihm einen Termin 2030 geben, im März, sagt der Chirurg. "Geht sich das mit meinem Blutverlust aus?," fragt sich der Patient und sieht auf seinen aus der Haut ragenden Oberschenkel. Aber kein Problem, privat geht gleich was, sogar im neuen OP-Saal des Mariendoms! Ein Happx End (oder zumindest End) findet der arme Mann dann auf Gut Aiderbichl.
Der Musikingenieur ist bekanntlich auch das Zentrum der vereinseigenen Kapelle "Die Blutgruppe". Er begleitete den Professor bei dessen Arbeitssabotage-Song "50 Wege, nachzulassen" und der Professor begleitete ihn beim Königsweg zum gesenkten Lebensstandard, zum Alkohol (mit herzlichen Grüßen an den Qualtinger). Dann sprang er höchst spontatn noch der Präsidentin bei, die sich über Buttingers Unmut beklagte, mit ihr gemeinsam eine neue Version von "I got you Babe" zu singen. Noch nie zuvor in der Lesebühnengeschichte ist ein Lied so wenig geübt worden (0=weniger geht nicht), was aber kaum einen Unterschied machte angesichts des bisherigen Kunstwollens der Präsidentin. Apropos:
Bundespräsidentin Meindl richtete dem gebenden Schauer Braco (s. "Wiener Festwochen" #steuergeldschindluder) mehr oder weniger schöne Grüße aus (hier der Volltext im Blog). Dann erstellte sie eine Liste aller Dinge, die man stark senken müsse (Inflation, Spritpreis, Kunstförderung, Blutdurst, Screentime, Cholesterinspiegel, Homophobie, Sexismus, Co2-Ausstoß, Workload, Carework, Workouts). Bitte nicht mehr senken: Niederlande, Venedig, Bangladesch, Lower Manhattan, den Hosenbund und die Kunstförderung. Zum Schluss erfand sie den kleinsten gemeinsamen Nenner des Chorgesangs, das kollektive "Awoooo".
Hier eine Sensation, der erste aufrichtig glückliche Gesicht bei der Tombola des Grauens(!!!):
Die nächste Lesebühne ist die letzte für sehr lange Zeit! Dafür bescheren wir euch nach Kräften ein sehr großes Finale mit Nadja Bucher am 26. Juni. Danach hat ein großer Sommer Platz, und ein Güldener Herbst, denn es gibt uns live erst wieder am 16. Oktober (irre Arbeitsverweigerung!), dafür aber mit der fantastischen Eierstockgäng. Im Juni beherbergt uns das liebe, vielgelobte Strandgut, im Oktober und November dürfen wir ins superne DH5.