Montag, 6. Juli 2026

Menschenopfer, Urknallketten, Reklamationen und abgetrennte Gliedmaßen: Rückblick auf eine lauschige Sommerlesebühne

Fotos: Dieter Decker <3

Geliebte Völker, 

wenn sich sogar ein Garten an den Gestaden der Donau in einen Backofen verwandelt, ist uns jeder einzelne real anwesende Mensch im Publikum Ehre und Auftrag. Also eh viel Freund, viel Ehr! Heiß war's, dann lauschig. Wir sind auch mehr als eine Woche nach der Sommerschluss-Lesebühne noch ziemlich dings, weil es so schön war. 

Also - hier eine Nachlese zum Thema "Was bisher geschah".  

 

Die Einführung bot wie immer Professor Buttinger, eh nur eine kleine Geschichte der gesamten Menschheit. Jedoch! "Man weiß von der Geschichte der Menschheit nicht recht viel. Zwischen den Ägyptern und dem Urknall liegt das weite Land des Unwissens." Immerhin die zwei großen Fragen lassen sich klären: "Woher kommen wir?" "Wohin gehen wir?" Und zwar je nach Gusto wechselweise mit "Bett" oder "Wirtshaus". Das Universum selbst sei ein Kontinuum an Urknällen, was spannend, aber auch paradox ist. Gut, dass der Herr Professor so etwas gleich zu Beginn erzählt, man wird mit dem lieben Bier im Laufe so eines Abends nicht vifer. 

 

Vif (bzw. vive) ist ein guter Übergang zu unserer lieben Gästin Nadja Bucher. Das Thema hat sie entsprechend gewählt, "da kann man eine Rückschau aufs eigene Werk machen und ALLES lesen!" Sie sieht gar nicht so aus, ist aber eine langjährige Adressatin unserer professionellen und persönlichen Zuneigung! Wir, die "Original Linzer Worte" sind zwar die dienstälteste Lesebühne des Landes, chronologisch aber nur auf Platz drei, hinter jener legendären, vergangenen Unternehmung namens "Dogma Chronik Arschtritt", mit der Bucherin mitten im Ensemble. Im Gegensatz zu uns sieht Madame Bucher frisch wie das von ihr an diesem Abend getragene Ananas-Kleider aus: "Wie die junge Emma Thompson von Floridsdorf!", wie Präsidentin sagt. Frisch selbstverständlich auch ihre Textauswahl, etwa aus ihrem Standard-Werk "Die Doderer-Gasse". Besonders gut ist dem Publikum der Reklamier-Text gefahren, den man eigentlich auswendig lernen sollte, bevor man IRGENDWAS kauft. 

 

Damit es nicht allzu lauschig wird und wir wegen zu großer Lieblich- und Gefälligkeit den avantgardistisch-experimentellen Charakter unseres Kunstwollens aberkannt kriegen, schreitet nach bewährtem Modus unser Chefingenieur René Monet ein. Auch er bot eine Rückschau, nämlich exakt zum Moment, an dem sein "literarischer Niedergang" anfing - also zum ersten Text, den er jemals für einen Poetry Slam schrieb. Kenner*innen schmatzen jetzt mit den Lippen, das muss die Odyssee mit dem kleinen Vogerl im Kopf sein! So ist es. Um die Klammer zu schließen, schrieb Monet auch brennfrisch Neues - die Schmerzensgeschichte des Basejumpers Bertil, begleitet von Buttingers Quietschen bedrängter Babyrobben. 

 

Gemeinsam mit dem Professor bildet der Chefingenieur bekanntlich die kompakte Kapelle "Die Blutgruppe". In dieser Form wurde das Klangstück "Geschichte wird gemacht" leicht aktualisiert zu Gehör gebracht:  

"Keine Zeit für Jause
Profite wer‘n gemacht
Es geht zurück!

Krieger-Schergen
mit Haaren in Brunzgelb
Es geht zurück"

Der Chefingenieur sang als Schlusslied: "Wir rennan weg für immer! Und uns is wuaschd, wos fria woa!" (Quasi von "Weezer"). 

 

Die Bundespräsidentin Meindl (hier bei der allseits "beliebten" Tombola des Grauens) kam gleich einmal ohne Schuhe auf die Bühne, wegen casual friday. Dann hub sie an, über den Männerfußball zu schwadronieren, dass man etwa gut aufpassen müsse beim "Leibertausch", und dass die Herren im Matriarchat eh weiterspielen dürfen, weil es sich ja um ein Spektakel hübscher Männerkörper handelt. Bezahlt werden die Fußballer aber nach dem Elementarpädagogik-Kollektivvertrag. Im Anschluss daran verlas sie in schludriger Kürze Passagen aus ihrer nichtautorisierten Autobiographie, damit das Publikum nicht merkt, dass nicht sie die lustigste Meindl ist, sondern möglicherweise Meindl die Jüngere (die Autobiographieautorin). Im dritten Text schreibt sie ihre Vita selbst, was ziemlich in die Hose geht bzw. aus der Hose. Was ist passiert, was hat dich bloß so ruiniert? Es waren die Monate, als sie in der Altstadt lebte und jede Nacht Männer auf ihre Zeitung ludelten:

"Dass ma do narrisch wiad
dass ma do explodiert
Weui: Wos wiad do so vü uriniert?! 
Wos wiad do so vü uriniert?!!!!"

Dann aber kommt Sepp Forcher, und alle singen miteinander "In die Berg bin i gern", denn es soll ja alles schön enden vor dem Sommer. 

 

Im gemeinsamem Tagebuch wird berichtet, wie der Plan, endlich auch noch so einen gschissenen Podcast zu machen, ziemlich eskaliert, sodass es am Ende nur dank des beherzten Eingreifens unserer Exekutive verhindert wurde, dass Nadja Bucher auf der Spitze der Pyramide, die auf dem Schöneringer Friedhof errichtet worden war, mit einem Temu-Stabmixer am Herzen als Menschenopfer dargebracht wird. Zugehen tut's in der Welt! 

 

Von all diesen Machenschaften müssen wir uns ALLE jetzt ein Neichterl erholen. Wir sehen einander erst wieder am 16. Oktober. Das ist freilich ein Skandal. 

Wir küssen die Stirnen der guten Menschen vom Strandgut, die uns all den Show-Kram auf die Wiese getragen haben und generell Schatzis sind. Und wir freuen uns auf die zwei kommenden Gastspiele im DH5. Es kommt die "Eierstockgäng"! Und im November der sehr superne David Samhaber. Aber alles der Reihe nach. Jetzt einmal SOMMER. 

Wir halten euch auf dem Laufenden! Nein: Trabenden. Schlenderndem. 

Gehabt euch wohl, seid gesegnet im Namen des Matriarchats! 

Mittwoch, 10. Juni 2026

Was bisher geschah. Letzte Lesebühne vor den Sommerferien!

Freitag, 26. Juni, 20 Uhr, Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße 25, 4040 Linz). Eintritt frei! Der Austritt kostet 3 € (= 1 Los für die Tombola des Grauens)

 

 

Zu Gast: Nadja Bucher (Wien)

Wenn man zu einer erfreulichen Frauensperson „Grande Dame“ sagt, klingt das, als sei die Adressatin so alt wie Bergkristall. Aber nichts da, Nadja Bucher hat sich den schmückenden Beinamen über ihre schiere Existenz verdient! Vom Betragen ähnelt sie einer Hofrätin, aber wenn sie gut aufgelegt ist, bringt sie schon mal eine saftige Sexszene zu Gehör. Es ist im besten Sinne wurscht, was sie uns beim Sommerschluss unter ihrem Wunschtitel vorliest – es wird uns alles gefallen! (Wir sind ja nicht deppert und laden uns eine Bisgurre ein. Au contraire! <3)

 

Der 26. Juni ist im Übrigen ein recht brauchbares Hochzeitsdatum, Bindungswütige können sich also an die Bundespräsidentin Meindl wenden, um sich trauen zu lassen (eine Stunde bis ewig). Die historische Einordnung alles bisher weltweit Geschehenen übernimmt wie immer Chief Mansplainer in Charge, Professor Buttinger. Chefingenieur René Monet schreibt vielleicht wieder einen Ohrwurm, von dem wir alle dann was bis in den Oktober hinein haben.

Natürlich mit sommerlich leichter Tombola des Grauens und der Ferien-Party-Band „Die Blutgruppe“. Es empfiehlt sich eine Sitzplatzreservierung! 

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„Original Linzer Worte“ ist die welteinzige Lesebühne mit Entrümpelungsservice: Tombolaspenden werden gerne angenommen.

Weiterführender Infospam: https://www.facebook.com/Original-Linzer-Worte-112861892081408/

Dienstag, 26. Mai 2026

Der Lambada der Standard-Unterbietung. Nachlese zur Mai-Lesebühne

Die mit dem gebenden Blick erschauten und mit kundigem Finger abgelichteten Bilder sind augenscheinlich wieder vom vereinseigenen Foto-Grafen Dieter Decker

Geliebte Völker! Einen Teufel werden wir tun und unsere Standards senken - die Lesebühne am 22.5. soll die neue Benchmark sein, der Gold-Standard! Was freilich sehr an der hochverehrten Gästin Silke Gruber lag, die wir seit Jahren stark mögen, mindestens so stark wie ihr Kunstwollen.  

 

Damit gleich zu Beginn das Wichtigste gesagt ist (es ist ja immer Freitag und es darf dabei getrunken werden) stellte der amtswaltende Professor Buttinger gleich in seiner Einleitung fest, dass es sich beim "Pursuit of Happiness" und den ganzen Glücksversprechen um die Karotte an der Angel der Reichen handle, der wir Esel leistungsaffin nachtrotten sollen. Fix nicht! In seinem Lehrgedicht zum Thema "Entropie" teilte er die ultimative Weisheit mit uns: "Vergiss den Sieg, spiel' auf Remis". 

 

Unsere Ehrengästin Silke Gruber war seelisch etwas ramponiert angekommen (jemand hat ihr das mit 1001 Gedichten mühsam erdichtete Auto zuschanden gefahren), ließ sich auf der Bühne dann aber nichts anmerken. Heldin! Sie lud im ersten Text ihre künftige Nachwelt zu einem Informationsabend, wie ihre Abschiedsfeier zu  gestalten sei, als Heiratsunwillige werde das nämlich ihr nächstes Lebenshighlight. Es sei ja zu blöd, was für ein Aufwand bei Hochzeiten betrieben werde, da müsse man auf Inseln feiern, von denen indigene Völker vertrieben werden, die Braut serviert in einem Seelöwenmaul usw., man kennt das leider. 

 

In Text zwei forderte sie, das eher unschöne Wort "Warzen" auf das Dermatologische zu beschränken und die Nippel fürderhin als "Augen der Brüste" zu bezeichnen (und die Augen als "Nippel des Gesichts"). 3. "Askese in Aspik": In ihren Texten gehe es immer um Kinder, meistens um deren Zeugung. Nicht aber, was ihre eigene Praxis bedeute! "Des werd' nix mehr, meine sexuelle Zeit liegt hinter mir!" Es ritten sie jetzt neue Gelüste, etwa den Maggispender abzuschlecken, oder auf Kulturveranstaltungen zu gehen, nach denen man um 21 Uhr im Bett liegen könne. Word! (Da war es an diesem Abend aber schon zu spät für.) Im vierten und letzten Text variierte sie poetisch das Tirolerische "Isch eh lei", das wir in OÖ als "Es is eh netta" gebrauchen. 

Chefingenieur René Monet kündigte zwei Texte an, einer sei ihm sehr schwer gefallen, der andere nur so aus den Fingern herausgaloppiert. Wir Profis und das Publikum vermochten jedoch keinen Unterschied zu erkennen, beide waren famos. Im ersten erörterte er das Wesen des Durchschnitts. Und was ist der Goldstandard beim Unterhosenwechseln? Im zweiten Text erlitt sein Protagonist eine Explosion und wird zum Kunden des "Gesundheitswesens" der allzu nahen Zukunft, das großräumig privatisiert worden ist. Er könne ihm einen Termin 2030 geben, im März, sagt der Chirurg. "Geht sich das mit meinem Blutverlust aus?," fragt sich der Patient und sieht auf seinen aus der Haut ragenden Oberschenkel. Aber kein Problem, privat geht gleich was, sogar im neuen OP-Saal des Mariendoms! Ein Happx End (oder zumindest End) findet der arme Mann dann auf Gut Aiderbichl. 

 

Der Musikingenieur ist bekanntlich auch das Zentrum der vereinseigenen Kapelle "Die Blutgruppe". Er begleitete den Professor bei dessen Arbeitssabotage-Song "50 Wege, nachzulassen" und der Professor begleitete ihn beim Königsweg zum gesenkten Lebensstandard, zum Alkohol (mit herzlichen Grüßen an den Qualtinger). Dann sprang er höchst spontatn noch der Präsidentin bei, die sich über Buttingers Unmut beklagte, mit ihr gemeinsam eine neue Version von "I got you Babe" zu singen. Noch nie zuvor in der Lesebühnengeschichte ist ein Lied so wenig geübt worden (0=weniger geht nicht), was aber kaum einen Unterschied machte angesichts des bisherigen Kunstwollens der Präsidentin. Apropos: 

 

Bundespräsidentin Meindl richtete dem gebenden Schauer Braco (s. "Wiener Festwochen" #steuergeldschindluder) mehr oder weniger schöne Grüße aus (hier der Volltext im Blog). Dann erstellte sie eine Liste aller Dinge, die man stark senken müsse (Inflation, Spritpreis, Kunstförderung, Blutdurst, Screentime,  Cholesterinspiegel, Homophobie, Sexismus, Co2-Ausstoß, Workload, Carework, Workouts). Bitte nicht mehr senken: Niederlande, Venedig, Bangladesch, Lower Manhattan, den Hosenbund und die Kunstförderung. Zum Schluss erfand sie den kleinsten gemeinsamen Nenner des Chorgesangs, das kollektive "Awoooo". 

Hier eine Sensation, der erste aufrichtig glückliche Gesicht bei der Tombola des Grauens(!!!):  

 

Die nächste Lesebühne ist die letzte für sehr lange Zeit! Dafür bescheren wir euch nach Kräften ein sehr großes Finale mit Nadja Bucher am 26. Juni. Danach hat ein großer Sommer Platz, und ein Güldener Herbst, denn es gibt uns live erst wieder am 16. Oktober (irre Arbeitsverweigerung!), dafür aber mit der fantastischen Eierstockgäng. Im Juni beherbergt uns das liebe, vielgelobte Strandgut, im Oktober und November dürfen wir ins superne DH5.  

Montag, 4. Mai 2026

Lower your Standards! Lesebühne am 22. Mai, mit Silke Gruber

Lesebühne am Freitag, dem 22. Mai, 20 Uhr im Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße 25, 4040 Linz). 

Eintritt frei! Der Austritt kostet 3 € (= 1 Los für die Tombola des Grauens)

Zu Gast ist Silke Gruber (Hall)  

 

 

Foto: Katrin Rauch <3

 

Senkt alles! Eure Standards, das Niveau, die Pollenbelastung in der Luft, das Tempolimit, die CO2-Belastung, Mental Load und die Tyrannenrate. Einzig bei den Gästinnen erwartet bitte wie immer nur das Beste: Silke Gruber lieben wir sehr, und ihr solltet es uns gleichtun. Sie ist Teil der Tiroler Qualitätsoffensive, die wir euch heuer schenken (zum Preis eines Loses für die Tombola des Grauens). Irre, oder? Wir, euer Fixensembles des Vertrauens, machen es wie immer: auf den letzten Drücker, im Panik-Flow, irgendwie. Obwohl auch wir euch so lieb haben! 

Silke war übrigens vor exakt vier Jahren schon einmal Gästin, niemals vergessen wir ihre Version von "Che sera?" 

 

Silke Gruber im Gespräch mit Walter Pobaschnig: „Zwischen Espresso Macchiato und Saurer Wurscht verläuft ein schmaler Grat.“ (aus ihrem Text „Karl Lagerfeld“)

Dienstag, 28. April 2026

Die Austreibung des Weltgeistes, jugendliche Todesberichte, Polka-Geister und spukende Hunde: die Nachlese zur "Geistergeschichten"-Lesebühne

Marantana, wer soll das alles lesen! Zur Not schaut's halt nur die Büdeln an, die sind wieder eine Augenweide vom Decker Dieter

 

Professor Buttinger warnte in seiner Einführungsvorlesung „Esoterikprophylaxe für Erstsemestrige“ vor Verdummungsmedien, beschwor den Geist in der Flasche, verdammte den toxisch-männlichen Poltergeist und geistliche Heimsuchungen. Fast nebenbei dekonstruierte er Hegels Weltgeist und damit den Deutschen Idealismus, der nichts anderes betreibe, als "etwas Inexistentes in ein Nichts hineinzudefinieren". Na bumm, ein Plädoyer wider die Vernunft, pro Weltfrohsinn! In seinem zweiten Beitrag berichtete der Singer-Song-Dieb zu den Klängen von "Killing me softly" von einem Hausgeist, der angesichts des grassierenden Wahnsinns da draußen drinnen nicht mehr poltern mag. Drittens! Verfasste der Professor ein geistreiches Gedicht, in dem er die Walpurgisnacht im eigenen Garten bereimt: "hinter der Leiter neben dem kopflosen Reiter / 
da hockt doch ein Poltergeist, der dreist auf deinen Rasen scheißt." Du holde Kunst! 

 

Wem aber haben wir das ganze Thema zu verdanken? Dem Geist des Frühlings! Auch er bemüht Hegel, den man nur ab vier Bieren verstünde. Dann bezauberte er das ganze volle Strandgut mit einem süßen Ukulele-Lied vom Tod. Wenn er einmal gestorben sei, wolle er nicht mehr 8xTag Zähne putzen, sondern mit dem Rauchen anfangen! In seinem zweiten Text berichtete er ebenfalls vom Sterben, mit dem er sich trotz seiner immensen Jugend gut auskenne, da er als Romeo bereits 30 mal gestorben sei. (30 Tode, was für ein Lebenslauf!) Den dritten Text hat der Geist extra für die Lesebühne geschrieben, darin erzählt er, wie er von einer alten Frau in der Bim auf seinen Künstlernamen getauft wurde, vom bizarren Phänomen "Linkshänderschere" sowie vom traurigen Faktum, dass auch Geister einmal sterben müssen. Und üüüüübrigens, diese "Carpe Diem"-Geschichte sei eine blöde Rederei, als hieße es "Nütze den Tag, hoaßt's lei, nochand muasch owa scho wieda wos tian!" Die Welt laufe aber nicht nach BWL, durch Ressourcenverknappung, sondern weil's halt schön ist, zu leben! Rede, Mann, Rede. <3 Als Zugabe sang er uns ein richtig gutes Liebeslied, das sich über Liebeslieder aufregte, denn es gebe nichts "Geistverlasseneres" als Liebeslieder. 

 

Die fröhliche Lebens- und Liebesbejahung ist nicht Aufgabe unseres geschätzten Ingenieurs Monet, und das ist würdig und recht. In eine "Wahre Geschichte aus meiner Zukunft" sitzt sein künftiges Ich am Lagerfeuerhologramm und erwägt, seinen Geist aus dem kollabierenden Leib transferieren zu lassen. Elon Musk hat Rumpelstilzchens Bruder als Verhandlungsbeauftragten eingesetzt, der für die Gehirnauslagerung nicht nur eine gebrauchte Unterhose vom Autor verlangt. Der zweite Text stammt aus der "mittleren Schaffensphase" Monets und erfreut schon alleine durch den besten Kalauer der Lesebühnengeschichte ("Das ist ein Polka-Geist!"). Ein Kind wird in den braunen Sumpf gezogen, das beigezogene Akupunkturmedium kann auch nicht helfen. Traurig, aber lustig! Im krönenden Schlusslied bewarb Monet die neu zusammengefasste Studienrichtung der Geisteswissenschaften: "San nur blede Leit, in da Nochbarschoft / Wos mochsd du dann? GEISTMASTER!" 

 

Eine Magistra der Philosophie ist Präsidentin Meindl tatsächlich, weswegen sie stets eher zu viel als zu wenig Gedankengang hat (und das ist kein Eigenlob, sondern eine Selbstbezichtigung). So musste sie mangels schöpferischer Geduld wieder einmal alle Ideen zusammenklabüsern. Siehe hier in ihrem Privatblog, der ganze Schaß zum Nachlesen: Geisterscheiße. Was sie nicht vorzulesen wagte, um die wohlverdient gute Stimmung der versammelten Menschheit nicht zu trüben, war die traurigste und schönste Passage der mitteleuropäischen Literatur. Die Erzählerin in "Die Wand" trauert um ihren Hund, sie sieht ihn immer wieder in den Augenwinkeln, immer wieder ist es eine (Ent-)Täuschung: „Wo anders sollte seine kleine Hundeseele spuken, als auf meiner Spur?“ Bitte lest dieses Buch immer wieder. 

 

Im Tagebuch buddelt sie mit Karl Ploberger udaungs das Portal in die Anderswelt aus, das direkt ins Schlosshotel Orth führt. In verschiedener Geistesausformung sucht das Ensemble der Lesebühne samt Gast die internationalen Despotiegrößen heim, mixt LSD ins Trinkwasser, kifft mit dem Papst und sprengt schließlich die Parallelwelt in die Luft. Alle Bösen der 1er-Liga sind tot, die aus der dritten Reihe tun niemandem weh. Wieder einmal die Welt gerettet!

So küssen wir wieder einmal dem Publikum und den guten Menschen vom "Strandgut" die Bussipfoten. 

Am 22. Mai kommt - schon wieder aus Tirol! - die von uns stark gemochte Silke Gruber. Vielleicht lautet das Thema "Lower your Standards". Schön wird's fix wieder. 

Dienstag, 7. April 2026

Geistergeschichten: 24. April

Freitag, 24. April, 20 Uhr, Kulturverein Strandgut (Ottensheimer Straße 25, 4040 Linz). Eintritt frei! Der Austritt kostet 3 € (= 1 Los für die Tombola des Grauens) 

Zu Gast: Der Geist des Frühlings (Schwaz)

Alle guten Geister sollen uns im April heimsuchen! Der beste davon reist aus dem exotischen Schwaz an und bringt endgültig den Frühling. Eigentlich sind wir ein bissl deppert, wenn wir so klasse Leute einladen, aber ihr sollt es ja auch schön haben. Der Geist des Frühlings aka Adrian Mayr ist völlig zu recht amtierender Slam-Meister Tirols und sagt: „Ich hab ein süßes Ukulele-Lied über den Tod!“ Nehmen wir!

Und was haben wir? Professor Buttinger nimmt uns vielleicht mit auf die inspirierende Reise des Weltgeistes. Oder er gibt’s weniger vergrübelt und legt uns dar, warum der Heilige Geist in Brathuhn-Form verehrt werden muss. Bundespräsidentin Meindl hat eine äußerst erfolglose „Karriere“ in der Geistesindustrie hinter sich. Jetzt denkt sie sich gruselige Menschengeschichten für arme Gespenster aus. Oder sie schreibt eine blöde, regionale Version von „Ghost – Nachricht von Sepp.“ Chefingenieur Monet löst möglicherweise das Geist-Materie-Problem. Vielleicht ereilt ihn ein begeisterndes Pfingstwunder, vielleicht erfindet er einen Gegenzauber zum üblen Ghosting. Fix sind Ukulele + Blutgruppen-„Musik“ + eine ostergeschwängerte Tombola des Grauens (= das Temu von Linz).

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„Original Linzer Worte“ ist die welteinzige Lesebühne mit Entrümpelungsservice: Tombolaspenden werden gerne angenommen.

Weiterführender Infospam: https://www.facebook.com/Original-Linzer-Worte-112861892081408/

Dienstag, 10. März 2026

Erbschleichen um den alten Brei herum. Transhumanismus ist aber auch keine Lösung. Die Nachlese zur "Oma"-Lesebühne mit Tamara Stocker

Damen und Herren, liebe Jugend und werte Greis*innen! 

Wenn bei den Original Linzer Worten das Thema "Meine Omi, der Muttermund und ich" ausgegeben wird, tragen die Damen Stocker und Meindl was zum Thema "Meine Omi, der Muttermund und ich" vor. Die Herren Buttinger und Monet öffnen aber ihre sorgenvollen Herzen und schreiben mit dem daraus gezapften Blut über ihre Ängste vor dem Alter (Leben als Weg ins Grab, Brei essen, viel zu niedrige Pension). 

 

 Foto: Linda Wallner

Professor Buttinger führt in der wissenschaftlichen Einleitung gleich ins Zentrum des Lebensdilemmas - das es halt ein Sein zum Tode ist. Der Sprung in den todesblinden Transhumanismus sei aber auch nicht ganz das Gelbe vom Ei, zumal es die ekelhaften Tech-Oligarchen sind, die das Feld der digitalen Longevity bestellen. Die Maschinen mögen sich um den faden Kram kümmern, damit sich der "ewig furzende Eiweißknödel" dem bissl Schönen zuwenden könne. Oder zugunsten von Mutter Natur aussterben. Über den Weg einer Ode an die Menopause (Buttinger ist ambivalent fasziniert vom Filzen) mündet seine Philosophie fast logisch in der Umdichtung von "Für immer Jung" zu "Transhuman" - ein sehr anrührender Schluss. Aber da sind wir noch nicht. 

 

 Folgende Fotos: Andreas Topf

Immerhin hat ja unsere Gästin Tamara Stocker aus dem weltberühmten Promi-Dorf Inzing in Tirol die Herzen unseres Publikums entführt, ohne Lösegeldforderung. Ihr Opa sei aus Munderfing gekommen, sagt sie, und schon fängt die Sympathie an. "Ich weiß jetzt, was Sex ist! Manche kriegen Aids, oder sogar Kinder" schrieb sie um die Jahrtausendwende in ihr Tagebuch. Wissen wir das jetzt auch! Im zweiten Text forderte sie "Make Austria Grant Again", du "Fockngfries!" Drittens nahm sie das Publikum am Vorabend des Frauentages mit einem gerechten Rant über das "Periodensystem" ein. Viertens sagte sie uns durch die Blume (Demenzian vs. Vergissmeinnicht), dass wir nicht die überlegene Spezies hier seien. Pflanzen seien mit ihrem "Photosynthese N' Chill viel gescheiter. 

 

Chefingenieur Monet nahm sich - leicht paradox - des Themas mittels Kinderbuch an: "Herr Hutterer geht in Pension". Sehr lehrreich und anschaulich schildert er die tragische Existenz des Titelhelden, der sein non-binäres Kind Maxi allein erzieht, viel zu wenig Pension kriegt und schließlich beim Schwammerlsuchen an ausbleibendem Herzschlag verstirbt. Gemeinsam mit dem Professor verlas er eine neue Ausgabe der Reihe "Herr Karlicek". Der hat gar keine Lust auf den Generationenvertrag, immerhin helfe er durch seine extrem reduzierte eigene Arbeitsleistung der Gesellschaft, indem er dabei viel weniger Fehler mache. Das Umlageverfahren sei was für Doofe. In seiner zeit- und anlassgemäßen Adaption des beliebten Schlagers "Butterfly" lieh er einem Erbschleicher seine Stimme: "Iss' dein Brei!" 

 

Bundespräsidentin Meindl verpasste ihrer Regierungsform ein Upgrade zum OMatriarchat (hier im Volltext), in dem Männer vollends zum schönen und verehrten Geschlecht werden, weswegen auch alle Kriege zum Erliegen kommen, weil Omas den blöden SCheiß echt noch von früher kennen und hassen. Ihr zweiter Text war wieder einmal ein schludrig hingekritzeltes Drehbuch mit dem Titel "Trick 71", in dem ihre Protagonistin den Enkeltrick umkehrt und damit allerhand Alt-Kanzler, Landeshauptleute und Staatsoberhäupter um ihre Millionen bringt. "Ich glaub, das war eine liebe Geschichte!" 

 

Apropos: Unser nächster Gast nennt sich "Der Geist des Frühlings", ist eine ganz und gar liebenswürdige Erscheinung, kommt schon wieder aus Tirol und spielt uns mit seiner Ukulele ein süßes Lied vom Tod: Am 24. April, wieder im hochgeschätzten Strandgut, dessen Betreiber*innen wir die Bussipfoten küssen.