Freitag, 23. Oktober 2026

Royaler Ausdruckstanz, Inzest statt Bodyshaming und peinliche Prinzen. Die Nachlese-Bühne

Liebe Königsgeschlechter und Untertan*innen, Gleiche unter Gleichen! 

Irgendwann hat's wohl schon einmal misslungene Lesebühnen gegeben, aber - bei aller Bescheidenheit! - wir erinnern uns nur noch vage ans Versagen. Das Versaufsagen geht dem Herrn Professor locker aus dem Kuchenloch, des Chefingenieurs Finger tänzeln über die Saiten wie zehn kleine Nurejews und die Bundespräsidentin hat mit ihrer Selbstüberzeugung die Völker ins Matriarchat geführt. Die Gastmenschen sind eigentlich sowieso immer die Besten, aber das schreiben wir eitle Hennen und Gockel nur hier her, ins Blogversteck.  

Fangen wir also gleich mit einer unserer liebsten Gästinnen an. Mit Katrin ohne H könnte man mehrere Apokalypsen aussitzen. Idealerweise in Bunkern mit Overhead-Projektor. Dann kann sie ihre Lyrik nicht nur schön aufsagen, sondern auch visuell herzeigen! Schön nicht nur ihre Darbietungen von der geliebten Schwesternlesebühne in Innsbruck (FH5K), sondern sie selbst - niemand trägt ein Diadem mit derselben Nonchalance wie die Dame ohne H. Außerdem können wir seit Freitag den Namen unserer Titelstadt nur noch französisch aussprechen: Lince. <3

 

Professor Buttinger stellte einführend fest, dass die Menschen mit der Demokratie nicht umzugehen wüssten. Die Monarchie bedeute aber auch weniger Stress in Sachen #bodyshaming (Habsburger Inzest-Phänotyp). Wenn sie einmal re-etabliert ist, braucht es entsprechende Berichterstattung aus dem Baukasten ("Implementierung des Nichts"). In seinem Gedicht bot er die gemütliche Unterwerfung an: 

Zum Beispiel hier die Präsidentin
oder auch die holde Gästin
ich lass von Fraun mich dominieren
insbesondre nach drei Bieren.

 

Und ganz ohne jeden Sarkasmus bescherte er (bzw. die Blutgruppe) uns den künstlerischen Höhepunkt mit Georg Danzers "Aufstehn. Der gute Mann, möge ihm die Erde leicht sein! 

Chefingenieur Monet lockt das Publikum regelmäßig in die Falle, indem er altbekannte Songs, die einem ans Herz wollen, noch schöner als im Original performt, dafür aber mit schiachem (=sehr lustigen) Text. Bei Reinhard Meys Smash-Hit habe er überraschend wenig umtexten müssen: "Über den Völkern muss die Freiheit wohl grenzenlos sein!" sang der lyrische Despot. Dazu verlas er allerlei Unglaubliches aus den Analen diverser Königshäuser, verhalf dem Professor zu seiner ausnehmend schönen Danzer-Hommage und gab bei der Darstellung von Meindls Hamlet/Putzi Putz alles. #overacting 

 

Bundespräsidentin Meindl fremdelt naturgemäß wenig mit der Autokratie. Sie riet dem Pöbel davon ab, von einem Leben im Schloss zu träumen (der Denkmalschutz! Die Heizkosten!). Es folgte eine Aufzählung sämtlicher nervtötender Prinzen, die aus der Rolle gefallen sind. In ihren neuen Roman hat sie extra eine eher unseriöse Passage eingebaut (König Midas verwandelt alles Gold in Lebendiges), um das Buch bei der Lesebühne ins Rampenlicht zu halten. Schließlich ließ sie ihren Shakespear'schen Königsdrama-Klassiker "Blut über die Familie Putz" vom Ensemble aufführen, in dem sich die ätzende Fernsehfamilie gegenseitig entleibt. 

 

Hier sehen wir sie schon fracklos die Sister from another Mister zur Schlussnummer locken - denn die beiden Schlitzohren ohne H und Meindl hatten den ganzen Trallawatsch vorher nur inszeniert, um am Ende leicht beschickert und enthemmt miteinander zum Queen-Klassiker "Bohemian Rhapsody" Ausdruckstanz-Karaoke zu veranstalten. 

 

Schön war das! Blöd auch. Die nächste Lesebühne wird hoffentlich mindestens so schön blöd - wir laden euch am 20.11. den Slam-Staatsmeister David Samhaber ein, da kann's aber SOWAS von nichts zu klagen geben. Größte Vorfreude! 

Und am Ende küssen wir Walter Stadler die rührigen Hände, unserem lieben DH5-Herbergsgeber. Sowie Diane Schmid, die uns so liebenswürdig abgelichtet hat. <3