Montag, 23. Januar 2023

Borkenkäfer im Windwurf unserer Seelen. Die Insekten-Nachlese (mit Salzgurke)


Geschätzte Öffentlichkeit! 

Hier erfolgt der Nachlesedienst im Namen der Republik unter besonderer Berücksichtigung der Original Linzer Worte. Obacht, Spoiler: Es war sehr schön. Andererseits: Überrascht es jemanden, dass der erste Schluck vom Feierabendbier sehr angenehm war? 

Es führte uns Professor Buttinger wie stets mit größtmöglicher wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit ins Thema ein, es ging darin also um kleine Wesen, die in Glaubensgemeinschaften sich gegen die große Angst vor der großen Welt wappnen.

Sodann dachte er literarisch darüber nach, wie es zugehen müsse, sich bei der WKO über die Gründung einer neuen Sekte beraten zu lassen, was in der Neugründung der katholischen Kirche endete (Businessmodell Kirchensteuer). 

Chefingenieur Monet hatte über Kerbtiere auf Willhaben.at recherchiert. Da hier der Handel mit Haustieren wieder gestattet ist, findet sich allerlei Wissenswertes über die private Vernutzung von mehrbeinigen Mitbewohnern: "Ameisen wegen Mietstreits günstig abzugeben" - hätten Sie gewusst, dass sich Waldameisen durchaus in einem Gummistiefel wohlfühlen können? Oder die Annonce eines "leidenschaftlichen Mikroskopierers": "Habe viele Milben!" Es muss ja nicht immer ein Golden Retriever sein!

Präsidentin Dominika Meindl ließ die junge ÖVP Innere Stadt auf einer einsamen Kreisverkehrsinsel im Archipel "Westspange Wels" stranden ("Die herrenlosen Fliegen"). Im zweiten Text erwachte ein schimmernder Rosenkäfer aus unruhigen Träumen und sah sich zu einem ungeheuren Wesen verwandelt, nämlich in einen alten weißen Mann (konkret Ferdinand Wegscheider". Schließlich nötigte sie die drei anwesenden Herren in die Rollen von Harald Juhnke, Bud Spencer und Peter Alexander, die dem Kickl eine neue Version der Biene Maja andrehen. Am Ende kriegt der graue Populist natürlich fest Haue.

Jetzt aber kommt der Gast! Auf diesem Bild sieht es ein wenig so aus, als hätten wir aus schierer Ehrerbietung und Vorfreude einen Star-Schnitt-Pappaufsteller von Peter Waldeck anfertigen lassen - was angesichts der Tatsache, dass er der Dramaturg des weltersten Borkenkäfer-Balletts war, auch extrem angezeigt gewesen wäre:

Aber hier ist er es leibhaftig, wie er aus seinem neuen Buch "Spaß und Schulden am Neustifter Kirtag" liest, nämlich zunächst eine aus heutiger Sicht leicht gruseliger Passage, in der sich Jugendliche AM FESTNETZ etwas miteinander ausmachen müssen, und mindestens einer davon ein ziemlicher Fetzenschädel ist. Höchst anrührend auch der Beweis, dass Waldeck mit größtem Recht als der Huldiger der Salzgurke in der deutschsprachigen Literaturgeschichte gilt. Ein Snack, der in unserer schnelllebigen Zeit ganz aus der Mode gekommen ist. Why?!

Wir empfehlen sehr, sehr das Gesamtoeuvre Waldecks, also "Triumph des Scheiterns" (nein, keine Biographie der Präsidentin, auch wenn es so klingt) + "Die 67 enttäuschendsten Sexfilme aller Zeiten", in der u.a. das Businessmodel "Literarische Landschaftsbeschreibungen" als Schatz versteckt steht. 

Apropos Schatz, nur genau anders: die Tombola des Grauens! Hauptpreis war das Tiger-Hologramm und zwei Flaschen Corona-Bier, das eigentlich irgendwelche Showbiz-Größen trinken wollten (das stimmt echt!!!!!).

Fotos: Thomas Thanner und Dominika Meindl (die unteren beiden)

Im gemeinsam verfassten Tagebuch gingen die Neujahrsvorsätze der Präsidentin dermaßen schief, dass Putin immer noch amtiert (bzw. lebt), das Ensemble der Original Linzer Worte samt Gast aber einen Gastauftritt in der Landesnervenheilanstalt absolvieren muss. Weil aber auch immer alles schiefgeht, wenn Drogen und Sprengstoff im Spiel sind!!!!

Das Liedgut der "Blutgruppe" rührte auch dieses Mal stark ans Herz. Monet stahl dem Nobelpreisträger Bob Dylan die Melodie von "It's all over now Baby Blue", Karel Gott den Text zur "Biene Maja" und amalgamierte alles in einer Personifikation Wolfgang Ambros: "Und irgendwaun bleib i daun dort in da Blume!" 

Heldenhaft bemeisterte Prof. Buttinger den Riss gleich zweier Saiten und sang seinen Sekten-Song "Sympathie mim Teifö" einfach a capella fertig, als sei's nichts. Top!

Die nächste Lesebühne geht am 17. Februar in die Luft - Obacht! Wir gastieren im sehr, sehr klassen DH5 (Damen & Herrenstraße 5, 4020 Linz). Zu Gast ist Elif Duygu, zum Thema "Neue Heimatliteratur für die neue Aufbaugeneration"

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